Jetzt fliesst Geld für die Swiss: So bluffte der Grossaktionär – und das kommt nun auf die Kunden zu

Lufthansa-Grossaktionär Hermann Thiele macht den Weg frei für das staatliche Rettungspaket. Für Kunden gibt es aber nicht nur gute Nachrichten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Stefan Ehrbar
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Worum geht es?

Die Lufthansa hat sich mit der deutschen Regierung auf ein Rettungspaket im Umfang von neun Milliarden Euro geeinigt. Dafür erhält der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds eine Beteiligung von 20 Prozent an der Airline und zwei Sitze im Aufsichtsrat. Die Aktionäre müssen dem Plan an einer ausserordentlichen Versammlung am Donnerstagmittag allerdings zustimmen. Grossaktionär Hermann Thiele, der knapp 15,6 Prozent der Lufthansa-Aktien hält, liess bis zuletzt offen, ob er für den Plan stimmt. Am Mittwochabend legte er sich nun fest: Er werde doch für den Rettungsplan stimmen, zitiert ihn die «FAZ».

Thiele hält nur 15,6 Prozent der Aktien. Warum hätte er den Rettungsplan verhindern können?

Wenn an einer Hauptversammlung weniger als 50 Prozent des Kapitals vertreten sind, benötigt eine Kapitalerhöhung die Zustimmung einer Zweidrittelsmehrheit des anwesenden Kapital. Da laut Lufthansa nicht einmal 40 Prozent des Kapitals an der Hauptversammlung vom Donnerstag vertreten sein werden, hätte Thiele deshalb im Alleingang diese Zweidrittelsmehrheit verhindern können.

Warum wollte Thiele gegen den Plan stimmen?

Thiele kritisierte, dass der angepeilte Staatsanteil die Sanierung erschweren könnte. Durch die Kapitalerhöhung müssten die bestehenden Aktionäre zudem einen Wertverlust hinnehmen, und sie hätten zu wenig Zeit gehabt, um sich mit der Materie auseinanderzusetzen. Eine Insolvenz hätte andererseits für Thiele kaum Vorteile gebracht. Sein Aktienpaket wäre dann deutlich weniger wert, wie viel Geld die Aktionäre noch kriegen würden, wäre unklar. Thieles Strategie könnte als Bluff bezeichnet werden: Mit seiner Drohung dürfte er auf Nachverhandlungen spekuliert haben. Weil die deutsche Regierung aber hart blieb, dürfte ihm kaum eine ander Möglichkeit geblieben sein, als dem Rettungsplan zuzustimmen.

Was bedeuten die Entwicklungen für die Swiss?

Der Bundesrat hat sich mit der Swiss schon vor Wochen auf ein Rettungspaket geeinigt und will für Kredite in der Höhe von maximal 1,275 Milliarden Franken bürgen. Allerdings hat der Bund klargemacht, dass das Geld nur fliesst, wenn sich die Lufthansa mit der deutschen Regierung ebenfalls auf ein Rettungspaket einigt und dieses auch vor den Aktionären Bestand hat. Danach sieht es nun aus - und die ersten Kredittranchen an die Swiss können fliessen. Die Zukunft der Airline dürfte damit vorerst gesichert sein.

Was kommt nun auf das Personal zu?

Die Swiss beschäftigt rund 9'500 Personen. Zu den Bedingungen, die der Bundesrat im Gegenzug für das Rettungspaket gestellt hat, gehört auch eine signifikante Kostensenkung. Eine solche könnte über einen Stellenabbau geschehen. Die Airline betonte aber, dass das nicht die einzige Möglichkeit ist (CH Media berichtete). Bisher haben weder die Swiss noch ihre Schwester Edelweiss einen Stellenabbau angekündigt. Stattdessen setzt die Swiss auf einen Einstellungsstopp, lange Kurzarbeit, Pensionierungen und andere Massnahmen. Die Mutter Lufthansa hat sich am Mittwoch mit der Kabinengewerkschaft UFO auf ein Sparpaket geeinigt, das etwa reduzierte Vergütungen vorsieht. Kündigungen sollen aber auch dort verhindert werden. Mit den Piloten und den Bodenarbeitern hat sich die Lufthansa noch nicht geeinigt.

Wie geht es nun für die Kunden der Swiss weiter?

Bis im Herbst will die Swiss wieder 85 Prozent aller Ziele anfliegen, allerdings deutlich weniger häufig als vor der Krise. Die Airline streicht weiterhin flexibel und relativ kurzfristig Flüge: «Aufgrund der anhaltenden Coronavirus-Situation wird Swiss das Flugangebot weiter anpassen und noch weitere Flugstreichungen vornehmen müssen», heisst es in Mails an betroffene Kunden. Betroffene können Tickets bis Ende August umbuchen und erhalten einen Rabatt von 50 Franken. Bei der Rückerstattung ist die Airline allerdings weiterhin im Verzug, Kunden müssen teils wochenlang warten.

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