Kampf gegen Foodwaste: Migros nun auch in der Ostschweiz dabei

Die Migros erweitert ihre Partnerschaft mit der App «Too Good To Go». Nun sind auch Ostschweizer Filialen dabei.

Gabriela Jordan und Ines Biedenkapp
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Mit der App «To Good To Go» sollen Lebensmittel gespart und Abfall vermieden werden.

Mit der App «To Good To Go» sollen Lebensmittel gespart und Abfall vermieden werden.

Bild: Leandre Duggan/Keystone

Übrig gebliebene Speisen in Restaurants, Bäckereien oder Supermärkten per App reservieren und vor Ladenschluss vergünstigt abholen – so funktioniert die 2015 gegründete App «Too Good To Go». Mit diesem Konzept gegen Lebensmittelverschwendung haben die Gründer aus Dänemark einen Nerv der Zeit getroffen. Mittlerweile können Kunden auf diese Weise in 14 europäischen Ländern und in insgesamt 36'000 gastronomischen Betrieben Essen vor dem Abfallkübel retten.

Auch in der Schweiz ist das Angebot seit der Lancierung im Sommer 2018 stark gewachsen. Laut eigenen Angaben gibt es derzeit fast 2000 Partnerbetriebe. Unter ihnen ist auch die Migros. Wie sie kürzlich mitteilte, weitet sie die Partnerschaft mit der App nun auf alle Regionen in der Schweiz aus.

Migros Neumarkt ist nun auch dabei

Seit kurzem sind etwa der Standort Neumarkt in St.Gallen oder die Filialen in Uznach, Eschenbach und Jona-Rapperswil in der App abrufbar. Bislang war das Angebot nur in der Genossenschaft Luzern und in einigen Filialen der Genossenschaften Zürich, Basel und Waadt verfügbar.

«Je nachdem, welche Produkte im Regal, in den Restaurants oder Take-aways zurückbleiben, setzt sich der Inhalt der sogenannten Wundertüten unterschiedlich zusammen», heisst seitens der Migros. Auch bestehe die Möglichkeit, zwischen vegetarischen und nicht-vegetarischen Tüten zu wählen.

«Eine gemischte Tüte zu beispielsweise 5.90 Franken kann Convenience-Produkte wie Salate, Sandwiches, Backwaren oder Lebensmittel wie Milchprodukte, Früchte, Gemüse und Charcuterie enthalten und hat einen Warenwert von mindestens 18 Franken», schreibt die Migros. Bei Früchte- und oder Gemüsetüten betrage der Wert mindestens 15 Franken. Alle Produkte seien von einwandfreier Qualität.

Bio Beck Lehmann ist auch dabei

Doch nicht nur die Migros hat sich für eine Partnerschaft mit «Too Good To Go» entschieden. Auch die Ostschweizer Bäckerei Bio Beck Lehmann ist seit kurzem über die App aufrufbar. «Bis jetzt läuft es gut», sagt Anna Lehmann, Geschäftsleiterin der Bäckerei. «Wir haben schon zuvor mit Organisationen wie Caritas zusammengearbeitet.»

«Durch die App kommen wir aber an neue Leute, wie beispielsweise Studenten, heran.»
Anna Lehmann, Geschäftsleiterin Bio Beck Lehmann.31.01.2013

Anna Lehmann, Geschäftsleiterin Bio Beck Lehmann.
31.01.2013

Nana Do Carmo / Tz

Derzeit sei man noch am Ausprobieren, doch die Bestellungen via App hätten schon zu lustigen Begegnungen geführt. Freuen würden sich viele Kunden vor allem über die Überraschungen aus der Tüte. Ihr einziger Kritikpunkt: «Wir in der Bäckerei machen ein handwerkliches Produkt. Die Tüten sind sehr günstig und werden dem nicht unbedingt gerecht.»

Volg testet App in 32 Filialen

Auch der Detailhändler Volg testet seit Anfang des Jahres die App «Too Good To Go». So können die Wundertüten in 32 Filialen in der Region Zürich und im Thurgau reserviert werden. Darunter sind unter anderem die Filialen in Frauenfeld, Weinfelden und Wigoltingen. Die Testphase läuft bis Ende März, bestätigt das Unternehmen auf Anfrage. «Anschliessend wird entschieden, ob wir das Angebot auf weitere Regionen oder auf das gesamte Verkaufsstellennetz in der Deutsch- und Westschweiz ausweiten werden», schreibt Tamara Scheibli, Volg-Sprecherin. Bisher seien die Rückmeldungen der Kunden wie auch vom Verkaufspersonal aber positiv.

Pro Transaktion erhält «Too Good To Go» eine Kommission. In der Schweiz betrug diese laut der «Handelszeitung» im Oktober 2.90 Franken, in anderen europäischen Ländern lag sie im Schnitt bei 1.19 Euro. Ob sich die Kommission verändert hat, kommentierte eine Mediensprecherin auf Anfrage nicht.

«Wir verstehen uns als Bewegung, bei der Profit nicht im Vordergrund steht.»

«Too Good To Go» verfolgt eigenen Angaben zufolge das Ziel, die globale Lebensmittelverschwendung zu senken und die Bevölkerung für das Thema zu sensibilisieren. Dafür will die Firma am Zürcher Hauptbahnhof einen Laden eröffnen. Dort sollen etwa Vorträge oder ähnliche Veranstaltungen besucht werden können. Über mögliche Räumlichkeiten sei die Firma mit den SBB seit längerem im Gespräch. Einen «Too Good To Go»-Laden gibt es bereits in Kopenhagen.

Der Sprung nach Übersee

Die dänische Firma plant darüber hinaus den Sprung in die USA. Dort werden Statistiken zufolge 40 Prozent aller Lebensmittel weggeworfen. In der Schweiz sind es rund 30 Prozent. Noch dieses Jahr wird das Angebot in Boston und in New York lanciert. Neben «Too Good To Go» gibt es viele weitere Bestrebungen gegen Foodwaste. So verteilen etwa soziale Institutionen wie Tischlein deck dich, Partage oder Schweizer Tafel überschüssige Lebensmittel gratis an von Armut betroffene Menschen.