ETH senkt Prognose: Konjunktur kühlt wegen Corona-Virus stärker ab als erwartet

Die Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF) korrigiert wegen des Corona-Virus ihre Prognose zum Bruttoinlandprodukt für das laufende Jahr nach unten. Von einer Rezession geht die KOF aber nicht aus.

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Konsum- und Ausgehfreudigkeit dürften wegen des Corona-Virus sinken und sich damit das Wirtschaftswachstum verlangsamen. (Symbolbild)

Konsum- und Ausgehfreudigkeit dürften wegen des Corona-Virus sinken und sich damit das Wirtschaftswachstum verlangsamen. (Symbolbild)

Oliver Menge

(gb.) Noch Mitte Dezember hatte die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF) der Schweiz für 2020 eine Wachstumsrate des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 0,9 Prozent vorausgesagt. Bereits Ende Februar wurde die Prognose um maximal 0,1 Prozentpunkte korrigiert. Doch auch dies sei angesichts der neuesten Entwicklungen nicht mehr haltbar, schreibt die KOF in einer Mitteilung vom Freitag. Vor allem der private Konsum, aber auch Exporte und Investitionen, würden 2020 stärker zurückgehen als bisher vorausgesehen und wirkten sich damit auch negativ auf die Konjunktur aus.

Schon wenige Fälle von infizierten Personen in einer Stadt können laut KOF nämlich ausreichen, dass grosse Teile der Bevölkerung Veranstaltungen, Restaurants oder den öffentlichen Verkehr meide. Auch auf grössere Ausgaben und Reisen werde in dieser Situation eher verzichtet.

Hoffen auf den Nachholbedarf

Hingegen hätten erhöhte Staatsausgaben und die Tatsache, dass in Branchen wie dem Gesundheitswesen und dem Dienstleistungssektor teilweise mehr gearbeitete werden müsse, auch positive Effekte auf die gesamtwirtschaftliche Produktion des Landes.

Die KOF sei gegenwärtig daran, wirtschaftlichen Szenarien für die Auswirkungen des Corona-Virus zu erarbeiten. Die Wachstumsprognose vom Februar wirft sie aber bereits jetzt über Bord. Von einer Rezession – also von zwei aufeinanderfolgenden Quartalen mit negativem BIP-Wachstum – geht die KOF zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht aus.

Sie rechnet damit, dass sich nach Abflachen der Corona-Krise ein sogenannter Rebound-Effekt einstellen werde. Damit gemeint ist, dass der ausgefallene Konsum im Nachhinein kompensiert wird. Auch von der Angebotsseite her könnten Produktionsstörungen laut KOF spätestens dann beseitigt werden.