Kommentar
Sorge vor einem Impfzwang im Job ist unbegründet

Der grösste Impfdruck dürfte nicht von Arbeitgebern, sondern von privatrechtlichen Restriktionen ausgehen.

Gregory Remez
Gregory Remez
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Impfungen in der Messe Luzern.

Impfungen in der Messe Luzern.

Dominik Wunderli

Kann mich mein Arbeitgeber zu einer Corona-Impfung zwingen? Diese Frage treibt derzeit zahlreiche Arbeitnehmer in der Schweiz um. Die einfache Antwort darauf lautet: Nein. Die komplizierte: Nein, doch könnten Arbeitgeber in speziellen Fällen von ihrem Weisungsrecht Gebrauch machen und verlangen, dass Tätigkeiten mit gefährdeten Personen nur mit Impfung ausgeübt werden können. Bei Weigerung riskieren Angestellte eine Versetzung oder schlimmstenfalls ihren Job.

Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft

Gregory Remez, Stv. Ressortleiter Wirtschaft

Bild: Manuela Jans-Koch

Soweit die arbeitsrechtlichen Möglichkeiten – und damit verbundene Spekulationen. In der Realität zeigt sich nun allerdings, dass die allermeisten Unternehmen wohl vor einer Impfpflicht zurückschrecken werden. Sei es, weil sie gerichtliche Auseinandersetzungen und politischen Gegenwind befürchten oder auch schlicht, weil sie keine Reputationsschäden riskieren wollen.

Selbst im Gesundheits- und Pflegebereich, wo die Impfdiskussion in den vergangenen Wochen besonders virulent war, wurde das Obligatorium jüngst zur Ultima Ratio erklärt. So plädieren Arbeitgeber- wie Arbeitnehmerverbände aus dem Gesundheitswesen in einem gemeinsamen Positionspapier deutlich gegen eine Impfpflicht und formulieren stattdessen eine vorsichtige Empfehlung für alle Angestellten.

Natürlich ist denkbar, dass es vereinzelt zu Druckversuchen kommen wird. Zum Beispiel von Spital- und Heimführungen, die schlecht ausgebildete Pflegekräfte mit wenig Aussicht auf eine andere Anstellung zu einer Impfung drängen könnten. Oder von Firmenchefs, die sich mit durchgeimpften Angestellten profilieren wollen und auf Vorzugsbehandlung hoffen, etwa bei der Vergabe von Aufträgen.

Der grösste Impfdruck dürfte letzten Endes aber weniger von den Arbeitgebern als vielmehr von privatrechtlichen Restriktionen ausgehen, also durch Ausschlüsse von Veranstaltungen, Einschränkungen von Besuchsrechten oder durch Reisebeschränkungen für alle, die keinen Impfnachweis erbringen können.