Nach-Corona-Prognose
Tourismus: Erholung im Berggebiet, Zukunftsangst in den Städten

Eine Konjunkturstudie verspricht der Tourismusbranche rasche Erholung von der Coronapandemie. Freuen können sich Berg- und Seeregionen. Für die städtische Gastronomie sieht es dagegen düster aus.

Peter Walthard
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In den Städten sehen sich 60 Prozent der Gastrobetriebe als «gefährdet», so die KOF-Studie.

In den Städten sehen sich 60 Prozent der Gastrobetriebe als «gefährdet», so die KOF-Studie.

Keystone

Die Coronakrise sei für die Tourismusbranche von historischem Ausmass gewesen, sagte Ökonom Jan-Egbert Sturm am Dienstag bei der Vorstellung einer Studie der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF). In der Schweiz sei die Struktur der Branche aber nach wie vor intakt. Und es sei rasche Erholung in Sicht: Dank der gesteigerten Inlandnachfrage und der Rückkehr der europäischen Touristen stehe dem Sektor eine baldige Erholung bevor. Bei den Schweizern werde die Anzahl der Logiernächte im kommenden Sommer über Vorkrisenniveau liegen, bei den europäischen Gästen werde das Vorkrisenniveau 2022 erreicht, prognostizierte Sturm.

Länger dauert die Erholung für Tourismusbetriebe, die sich vor der Krise an Gästen aus fernen Ländern oder Geschäftsleuten orientiert haben. Die Nachfrage aus den Fernmärkten werde länger gedämpft bleiben, so die KOF-Studie. Der Geschäftstourismus werde gar nie mehr zur alten Stärke zurückkehren. Die Pandemie habe die Digitalisierung des Geschäftslebens beschleunigt, viele Sitzungen würden auch in Zukunft nur noch virtuell abgehalten, sagte Jan-Egbert Sturm zur Erklärung. Es werde in den nächsten Jahren strukturelle Verschiebungen geben müssen. Das bedeute, «dass gewisse Regionen mehr Konkurse melden werden als anderen Regionen», so der ETH-Ökonom.

Düstere Aussichten für die städtische Gastronomie

Betroffen von diesen strukturellen Veränderungen seien vorab die urbanen Gebiete. Während sich der Tourismus im Berggebiet und an den Seen gut erhole, könnten die Städte das Ausbleiben der Fern- und Businessreisenden schlecht ausgleichen, sagte Jan-Egbert Sturm. Dies zeigten auch Zahlen aus einer Befragung der Beherbergungs- und Gastrobetriebe, die die KOF vorgenommen hat. In dieser hatten im April schweizweit 40 Prozent der Gastronomiebetriebe angegeben, gefährdet zu sein. «Was auffällt: In den Städten waren es über 60 Prozent», sagte Sturm. Wer bis anhin auf Geschäfts- und Fernreisende gesetzt habe, müsse sein Geschäftsmodell nun umstellen – oder aber lange durchhalten müssen.

Für die nächste Wintersaison geht die KOF-Prognose davon aus, dass das Vorkrisenniveau bereits wieder knapp übertroffen werden wird, dies im gesamten europäischen Alpenraum. Auch hier sei anzunehmen, dass zuerst die Inlandsnachfrage anziehen werde und bei den Gästen aus dem europäischen Raum erst 2023 wieder das Vorkrisenniveau erreicht werde.