«Kritische Situation»: Nach schwierigem Jahr bangt Maschinenindustrie wegen Corona-Virus

2019 sind die Auftragseingänge und Umsätze sowie der Personalbestand in der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie gesunken. Nun warnt der Swissmem-Verband vor einem noch stärkeren Franken. Und vor Corona-Folgen. 

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Schwierigere Zeiten drohen. (Symbolbild)

Schwierigere Zeiten drohen. (Symbolbild)

Hanspeter Bärtschi

(sat) «Gesamthaft war 2019 ein schwieriges Jahr für die Schweizer MEM-Industrie», lässt sich Stefan Brupbacher in einer Swissmem-Mitteilung zitieren. Laut dem Direktor des Verbands der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie haben einerseits weltweite Handelskonflikte die Konjunktur in den wichtigsten Absatzmärkten gedämpft. Andererseits sorgte in Europa der Wandel in der Automobilbranche zusätzlich für Verunsicherung. Zu all dem komme der starke Franken hinzu, der im letzten Jahr noch weiter erstarkt sei. Das alles senke in den MEM-Firmen nicht zuletzt die Ertragslage.

An der Jahresmedienkonferenz in Zürich untermauerte Swissmem die Einschätzung ihres Direktors am Mittwoch mit Zahlen: 10,6 Prozent sind die Auftragseingänge 2019 demnach im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Auch die Umsätze sanken 4,5 Prozent – bei Grossfirmen insgesamt stärker als bei KMU. Nach Mitarbeitenden betrachtet ist die Branche dagegen bis am Jahresende um gut 4500 Personen gewachsen.

Franken-Situation für Branche verschärft sich

Doch nun steht die Branche – wie die übrige Wirtschaft – innerhalb von wenigen Tagen vor einer weiteren Herausforderung. Swissmem warnt denn auch vor der zusätzlichen Belastung durch die Corona-Epidemie für die ohnehin schon schwache Industriekonjunktur. Für verschiedene Firmen seien die Lieferketten bereits beeinträchtigt oder gar unterbrochen. «Zudem hat sich die Überbewertung des Schweizer Frankens gegenüber dem Euro seit Anfang 2020 noch akzentuiert», warnt der Swissmem. Das behindere spürbar die Wettbewerbsfähigkeit der MEM-Industrie im wichtigen EU-Markt.

Würden die aktuellen Beeinträchtigungen durch Corona und die Überbewertung des Frankens anhalten, schätzt Swissmem-Direktor Brupbacher «die Lage für die MEM-Industrie kritisch» ein. Aufgrund des «sehr anspruchsvollen Marktumfelds» rechnet Swissmem denn auch damit, dass die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Branche wieder sinken dürfte. Dies weil zunehmend Kurzarbeit eingeführt und bald wieder mehr Restrukturierungen vorgenommen würden.

Warnung vor politischer Isolation

In diese Situation betont Swissmem denn auch die Bedeutung der bevorstehenden Eidgenössischen Abstimmungen. Mit einer Annahme der Begrenzungsinitiative am 17. Mai etwa verlöre die MEM-Branche «den beinahe hindernisfreien Zugang zum wichtigsten Absatzmarkt», wird Hans Hess in der Mitteilung zitiert. Ein Ja zur «Kündigungsinitiative», wie die Gegner die SVP-Vorlage nennen, hätte laut dem Swissmem-Präsidenten gerade für die MEM-Branche «gravierende Folgen».