LUZERN

«Der Tourismus liegt praktisch am Boden»: Uhrenhändler Bucherer setzt zweite Tranche des Jobabbaus um

Der Luzerner Schmuck- und Uhrenverkäufer Bucherer baut am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern weitere rund 60 Stellen ab, nachdem bereits im Herbst rund 70 Entlassungen ausgesprochen wurden. In Interlaken fallen voraussichtlich rund 25 Stellen weg.

Maurizio Minetti
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Die Bucherer-Filiale am Luzerner Schwanenplatz.

Die Bucherer-Filiale am Luzerner Schwanenplatz.

Bild: Dominik Wunderli (12. Januar 2021)

Die Coronakrise sorgt für einen weiteren Stellenabbau in der Luzerner Schmuck- und Uhrenbranche. Die Bucherer-Angestellten wurden am Dienstag darüber informiert, dass nochmals Dutzende Stellen abgebaut werden. Wie einem internen Schreiben zu entnehmen ist, das unserer Redaktion vorliegt, sieht sich das Unternehmen gezwungen, «am Hauptsitz und in den Verkaufsgeschäften in Luzern weitere rund 60 Stellen und am Standort Interlaken voraussichtlich rund 25 Stellen abzubauen». An den übrigen Standorten und in Schweizer Tochtergesellschaften könne es vereinzelt zu weiteren Entlassungen kommen.

Ein Bucherer-Sprecher bestätigte die Echtheit des Schreibens auf Anfrage. Wie aus dem Umfeld des Unternehmens zu hören ist, machen Gerüchte über einen bevorstehenden Jobabbau schon seit rund zwei Monaten die Runde.

Derzeit beschäftigt Bucherer am Hauptsitz zirka 350 und in den Geschäften in Luzern rund 150 Mitarbeitende. Der weltgrösste Uhrenverkäufer hatte bereits im vergangenen August einen Abbau von voraussichtlich bis zu 170 Stellen in Luzern angekündigt. Diese maximale Anzahl an Stellen habe man bislang aber nicht abgebaut, präzisiert der Sprecher auf Anfrage. Es seien bisher rund 70 Entlassungen ausgesprochen worden. Mit dem jetzigen Abbau von 60 Stellen nähert sich Bucherer nun aber der damals kommunizierten Zahl von 170 Stellen. Zusätzlich gab es im Herbst auch Frühpensionierungen.

Man habe damals gehofft, «dass die Entlassung von 72 Mitarbeitenden ausreicht», heisst es in dem Schreiben von Bucherer. Leider sei die Entwicklung schlechter als erwartet. Laut dem Schreiben hat die Gruppenleitung in den letzten Monaten einen weiteren Stellenabbau so lange wie möglich hinausgezögert und sämtliche Alternativen eingehend geprüft:

«Dieser Schritt ist jedoch notwendig, um sich den neuen Rahmenbedingungen anzupassen.»

Es sei für Bucherer in den letzten Monaten immer mehr zur Gewissheit geworden, dass der internationale Tourismus «praktisch am Boden liegt» und die wichtige Kundengruppe der Gäste aus Übersee weiterhin ausbleiben werde. Die Perspektiven hätten sich seit dem Sommer 2020 nicht gebessert – im Gegenteil, heisst es in dem Schreiben. Es sei inzwischen klar geworden, dass «unsere leise Hoffnung auf eine gewisse Erholung des Tourismus von der Realität eingeholt wurde». Der Tourismus kehre im Moment nicht zurück.

Sozialplan für Betroffene

Bucherer stehe auch bei den nun betroffenen Personen für den im August 2020 mit der überbetrieblichen Arbeitnehmervertretung vereinbarten Sozialplan ein, der allen Mitarbeitenden der Gruppe möglichst gute Lösungen biete und alle gleich behandle, heisst es weiter. Für Härtefälle bestehe ein eigener Fonds.

Angesichts der zum aktuellen Zeitpunkt wahrscheinlichen Zukunftsszenarien der Pandemieentwicklung gehen Verwaltungsrat und Gruppenleitung der Bucherer-Gruppe davon aus, dass mit diesem Schritt die coronabedingte Restrukturierung «grundsätzlich abgeschlossen werden kann», so das Schreiben, das von Verwaltungsratspräsident Jörg G. Bucherer und CEO Guido Zumbühl unterzeichnet ist.

Erst Mitte Dezember war bekannt geworden, dass auch der Bucherer-Konkurrent Gübelin 14 Angestellte per Mitte 2021 entlassen muss, einen Grossteil davon im Verkauf. Gübelin sprach damals von einer «schwierigen», aber «unvermeidlichen» Entscheidung. Nur so könne man «das Unternehmen und die damit verbundenen Arbeitsplätze langfristig und nachhaltig sichern». Das Management von Gübelin hatte im Mai 2020 die Schweizer Belegschaft dazu angehalten, ihr Arbeitspensum um 20 Prozent zu reduzieren. Dank dieser «Solidaritätsinitiative» – wie die Massnahme von Gübelin bezeichnet wird – habe man kurzfristig Kosten sparen und Zeit gewinnen können.

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