Nach Finanzierungsrekord: Coronapandemie bedroht viele Start-ups in ihrer Existenz

Lange Zeit floss das Geld für Gründer üppig – dank guter Konjunktur und risikofreudiger Investoren. Doch mit der Coronapandemie dürfte sich das Blatt nun wenden, kommt die Beratungsgesellschaft EY in einer Analyse zum Schluss.

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Viele Start-ups dürfte die Coronakrise schwer treffen – einige wenige hoffen mit Innovationen dazu auf den Durchbruch. (Symbolbild)

Viele Start-ups dürfte die Coronakrise schwer treffen – einige wenige hoffen mit Innovationen dazu auf den Durchbruch. (Symbolbild)

HO

(dpa/sat) «2019 dürfte vorerst das letzte Rekordjahr für das europäische Start-up-Ökosystem gewesen sein», wird Roger Krapf in der EY-Mitteilung von Dienstag zitiert. Laut dem Partner sowie Verantwortlichen der Start-up Initiative von EY in der Schweiz wird die Pandemie nicht nur zu deutlich sinkenden Investitionen führen. Bei vielen Unternehmen seien zudem massive Umsatzausfälle zu erwarten.

Trockne der Finanzierungsmarkt für Gründer aus, werde das den Innovationsstandort Schweiz um Jahre zurückwerfen, warnt das Beratungsunternehmen. Die Branche steht demnach vor «existenziellen Herausforderung». Start-ups schreiben in der Regel keine Gewinne und sind auf Kapital von Investoren angewiesen. Viele Gründer bringen Privatvermögen in ihre Firmen ein und haben nur wenige Rücklagen – was sie nun verwundbar macht.

Die grösste Finanzierung erhält ein Zuger Unternehmen

«Die Mehrzahl der Start-ups ist nur für einige Monate durchfinanziert», erklärte EY-Partner Roger Karpf laut Mitteilung. Investoren müssten entscheiden, welche Geschäftsmodelle tragfähig seien. Für aussichtsreiche Firmen werde es Zwischenfinanzierungen geben, aber seltener grosse Investments. Ohnehin verteilt sich das Geld meist auf nur wenige Gewinner. So wurden in der Schweiz letztes Jahr laut EY 329 Star-up-Finanzierungsrunden im Umfang von 1,5 Milliarden Euro durchgeführt. Gegenüber 2018 sind das 36 Prozent mehr Finanzierungen; damals lag der Umfang bei 1,3 Milliarden Euro.

Im europäischen Vergleich liegt die Schweiz damit laut EY auf Rang vier nach Grossbritannien, Frankreich und Deutschland. Die meisten Schweizer Deals wurden in Zürich (114) und Lausanne (43) abgeschlossen. Davon entfielen 368 Millionen Euro auf in Zürich abgeschlossene Deals und 246 Millionen auf in Basel abgeschlossene Deals. Den grössten Schweizer Deal schloss das Biopharma-Start-up Arvelle Therapeutics ab im Umfang von 159,3 Millionen Euro. Das Zuger Unternehmen liegt damit auf Rang 26 aller europäischen Start-up-Finanzierungen des letzten Jahres.