Öffentliche Verwaltungen hinken bei digitaler Infrastruktur hinterher

Eine Umfrage unter Verwaltungsangestellten zeigt Mängel bei der digitalen Infrastruktur: Nur ein Viertel der Beschäftigten im öffentlichen Sektor konnte während des Lockdowns von zu Hause aus arbeiten. In den Gemeindeverwaltungen waren es gar bloss 13 Prozent.

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Verwaltungsangestellte arbeiteten seltener als andere Beschäftige von zu Hause aus.

Verwaltungsangestellte arbeiteten seltener als andere Beschäftige von zu Hause aus.

Keystone

(gb.) Für rund 75 Prozent der Angestellten in der öffentlichen Verwaltung war es während des Lockdowns nicht oder nur teilweise möglich, von zu Hause aus zu arbeiten. Zu diesem Resultat kommt eine Umfrage des Beratungsunternehmen Deloitte, die am Freitag veröffentlicht wurde. Der Wert liege unter dem Durchschnitt aller Schweizer Beschäftigen, heisst es in einer Mitteilung. In der Privatwirtschaft habe je nach Branche mehr als jeder zweite Angestellte von zu Hause aus gearbeitet.

Die Antworten der rund 1500 Befragten – darunter 500 Verwaltungsangestellte – zeigen laut Deloitte die Versäumnisse der öffentlichen Verwaltungen bei der Digitalisierung. Digitale Infrastruktur sei kaum vorhanden und das bestehende Potenzial werde nicht ausgeschöpft. So gaben 71 Prozent der Befragten an, sie seien frustriert gewesen, da sie mehrere Tage oder Wochen auf technische Unterstützung hätten warten müssen.

Bedürfnis nach digitalen Diensten steigt

Besonders bei den Gemeinden scheint noch einiges im Argen zu liegen: Bloss 15 Prozent der Angestellten auf Gemeindeebenen gaben an, das Homeoffice habe problemlos geklappt. Bei den Kantonen waren es 27 Prozent, beim Bund 33 Prozent. Die grössten Hürden für mehr Digitalisierung in der Verwaltung sind laut Deloitte die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie die fehlende Hard- und Software.

Gleichzeitig zeigt die Studie ein gesteigertes Bedürfnis der Bevölkerung nach mehr digitalen Dienstleistungen der Verwaltung. Die Umfrage wurde im Mai durchgeführt, als sich viele Beschäftigte noch in Kurzarbeit befanden. Dass die Formulare per Post übermittelt werden musste, könnte laut Deloitte mit ein Grund sein, weshalb 31 Prozent der Befragten ihre Einstellung aufgrund der Krise geändert haben und digitale Dienstleistungen stärker befürworten als zuvor.