Parahotellerie: «Wir schwanken zwischen Depression und Aufbruch»

Campingplätze, Ferienwohnungen, Jugendherbergen: Die Parahotellerie verzeichnet steigende Buchungsanfragen. Doch noch hat der Bundesrat nicht entschieden, wann Campingplätze aufmachen dürfen. Der TCS protestiert.

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Die Schweizer Campingplätze dürfen bis auf weiteres nicht benutzt werden.

Die Schweizer Campingplätze dürfen bis auf weiteres nicht benutzt werden.

Keystone

(wap) «Die Haltung des Bundesrates beraubt der Schweizer Bevölkerung einer wichtigen Möglichkeit im eigenen Land Ferien zu machen und führt zu Markt- und Wettbewerbsverzerrungen in der Beherbergungsbranche mit schweren wirtschaftlichen Folgen», schreibt der TCS in einer Mitteilung vom Mittwoch.

Grund des Ärgers: Während in Deutschland und Österreich die Camping-Saison noch im Mai beginnen kann, sind die Schweizer Campingplätze nach wie geschlossen. Bis wann ist noch nicht entschieden. Laut TCS ist bereits seit Ostern ein Schutzkonzept vorhanden. Es gebe keine stichhaltigen Gründe gegen eine Öffnung.

Sie wisse nicht, ob der Bundesrat die Campingplätze ganz einfach vergessen habe, sagte Janine Bunte, Vorsitzende des Dachverbands Parahotellerie Schweiz, am Mittwoch vor den Medien. Die Landesregierung sei am Tourismusgipfel am 26. April auf das Anliegen hingewiesen worden. Doch: «Es gab keine Resonanz.»

Nun hoffe sie auf eine Öffnung am 8. Juni, zusammen mit den Bergbahnen. Die Tourismusdestinationen in der Schweiz funktionierten nur als Ganzes, sagte Bunte. Doch auch wenn alle Anbieter wieder öffnen, bleibt die Sorge um die Auswirkungen der Schutzkonzepte. «Wir haben im Moment sehr hohe Einschränkungen», erklärte Bunte. Unter diesen Umständen sei es eine Herausforderung, gewinnbringend zu arbeiten.

Optimismus im Inland, schlechtes Corona-Image im Ausland

Dennoch herrsche in der Branche auch ein gewisser Optimismus. Für die Ferienmonate Juli und August sehe die Lage nämlich gut aus: «Es gibt eine grosse Nachfrage.» Es sei zu erwarten, dass der Anteil der Schweizer höher sein werde. Dennoch wolle die Parahotellerie schnell auch wieder ausländische Gäste ansprechen. Sie machen je nach Branche 20 bis 60 Prozent der Buchungen aus.

Hier brauche es nun eine Imagekampagne, so Bunte. Denn im Ausland sei die Schweiz mit ihren überdurchschnittlich hohen Ansteckungsraten in den Negativschlagzeilen gewesen. «Da werden wir etwas machen müssen», sagte Bunte. Ziel sei es, das Image der sauberen Schweiz wieder in den Fokus zu rücken, unter dem Motto: «Wir können Hygiene.»

Die gestiegene Nachfrage betreffe bis jetzt vor allem die Bergregionen. In den Städten sehe es schwieriger aus. Insgesamt sei in der Parahotellerie 2020 mit einem Umsatzausfall von 30 bis 50 Prozent zu rechnen. Aufholen könne man dies naturgemäss nicht, da die Kapazitäten begrenzt seien. Wichtig sei nun, dass Planungssicherheit geschaffen werde: Gerade für die Parahotellerie seien Gruppenreisen wichtig. Man müsse jetzt wissen, wann Campingplätze öffnen könnten, wann und in welchem Ausmass die Bergbahnen den Betrieb aufnehmen und ab wann Veranstaltungen mit unter 1000 Besuchern wieder erlaubt seien.