Presseschau zum Tod von Marcel Ospel

Der ehemalige UBS-Chef Marcel Ospel ist 70-jährig gestorben. Das schreibt die Schweizer Presse über den Basler Bankier: 

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Der ehemalige Chef der UBS Marcel Ospel ist am Sonntag 70-jährig gestorben.

Der ehemalige Chef der UBS Marcel Ospel ist am Sonntag 70-jährig gestorben. 

Ralph Ribi

(dpo) Er war der «umstrittenste Banker der Schweiz», so die Tamedia-Zeitungen über Marcel Ospel in ihrem Nachruf. Seine Laufbahn sei extrem gewesen: er hob die neue UBS mit aus der Taufe und war durch seine Wachstumsstrategie für ihre Beinahe-Pleite verantwortlich. Auf dem Zenit seiner Macht sei ihm ganz Basel zu Füssen gelegen. Dann kamen das Swissair-Debakel 2001 und die Immobilienkrise 2008, die zum Absturz der UBS und von Ospel selbst führten. Ab da war Ospel geächtet. Der Absturz der UBS und die Schmähungen hätten ihn tief getroffen. 

Der BaZ-Autor -minu, mit bürgerlichen Namen Hanspeter Hammel, erinnert sich in seinem persönlichen Nachruf, wie er noch im November Marcel Ospel in der Kronenhalle in Zürich getroffen habe: «Du sahst gesund aus – und wir alle hofften, dass Du es schaffst. Dass Du stärker sein würdest als diese Krankheit, die Dich plötzlich angefallen hat.
Aber wir wussten auch, dass Du nicht darüber reden wolltest.» Zwar habe er nach aussen immer den starken Mann markiert, aber diejenigen, die ihn näher kannten, wussten, dass er «beinahe noch verletzbarer und empfindlicher» als seine geliebten Fasnachtsmimosen gewesen sei.

Die wenigsten hätten gespürt, dass Ospel kein Rampenlicht-Mensch gewesen sei, schreibt -minu weiter. «Es gab keine Memoiren. Es gab kein Buch. Es gab nur Zurückhaltung. Hier hat sich der klassische Basler in Dir gezeigt.»

«Steiler Aufstieg, brutaler Absturz»

Ospels Karriere sei das Pendant des amerikanischen Traums vom einfachen Tellerwäscher, der sich zum Multimillionär und einem der international bekanntesten, aber auch hoch umstrittenen Banker hochgearbeitet hat, schreibt die «NZZ». Nach seinem Rücktritt habe sich Ospel radikal aus der Öffentlichkeit zurückgezogen und seither nirgendwo mehr öffentlich Stellung bezogen. Auf Anfrage der «NZZ» habe sich der Banker jedoch bereit erklärt, zu den damaligen Geschehnissen bei der UBS, der Finanzkrise und zur Swissair Stellung zu nehmen. Ende Februar habe er eine Journalistin der Zeitung zu einem Vorgespräch getroffen, ein ausführliches Gespräch wurde auf Mitte Mai festgelegt. Noch vor zehn Tagen meldete er sich aus der Klinik. Zu diesem Treffen wird es nun nicht mehr kommen.

Der «Blick» fasst Marcel Ospels Karriere unter dem Titel «Steiler Aufstieg, brutaler Absturz» zusammen. Seine Karriere personifiziere den sensationellen Erfolg der fusionierten UBS und ihr hartes Erwachen in der Finanzkrise. Unter Ospel habe die UBS Rekordgewinn um Rekordgewinn eingefahren. Weltweit sei kein Institut damals profitabler gewesen, die UBS wurde zur Bank der Superreichen. Doch für Ospels Ehrgeiz habe die UBS einen horrenden Preis gezahlt, so der «Blick». Letztlich sei ihm nur seine geliebte Fasnacht geblieben. Seine Cliquen-Kollegen bei den Revoluzzern hätten zu ihm gehalten, egal, ob er nun der Herr der UBS war oder ein Geächteter.

Marcel Ospel habe Grosses geschaffen und das Streben nach Grösse wurde ihm zum Verhängnis, schreibt Patrik Müller, Chefredaktor von CH Media, der Marcel Ospel mehrfach begegnete und interviewte. Sein Wort hatte in den 1990er und zu Beginn der 2000er-Jahre mehr Gewicht als dasjenige jedes anderen Wirtschaftsführers. Ospel ist in Kleinbasel in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, absolvierte das KV, danach die HWV. Einen Uni-Abschluss konnte er, anders als sonst auf den Teppichetagen der Grossbanken üblich, nicht vorweisen.

Er sei ein Macher gewesen, kein filigraner Bedenkenträger wie der letzte CEO unter Präsident Ospel, Peter Wuffli. Wegen der Subprime-Krise und der Steueraffäre musste die UBS schliesslich Dutzende von Milliarden abschreiben. Ein trauriges Ende einer bemerkenswerten Karriere, schreibt Patrik Müller.