Reduziertes Angebot stösst auf grosses Verständnis — mit den Abos hapert es noch

Seit vergangener Woche fahren SBB und Postauto mit einem reduzierten Fahrplan. Kleinere Betriebe ziehen diese Woche nach. Die Kulanz für bereits gelöste Abos blieb bislang mehrheitlich aus. Nun prüft die Alliance SwissPass eine branchenübergreifende Lösung.

Sarah Kunz
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Auch wenn noch kein Ende der Corona-Krise in Sicht ist, kann das GA nur während eines Monats unterbrochen werden. (Symbolbild)

Auch wenn noch kein Ende der Corona-Krise in Sicht ist, kann das GA nur während eines Monats unterbrochen werden. (Symbolbild)

Keystone

Während der Corona-Krise arbeiten viele von zu Hause aus. Weil die Pendler ausbleiben, wird das öffentliche Verkehrsangebot ausgedünnt. Kundinnen und Kunden der SBB können ihr Generalabonnement nun mittels eines Online-Formulars hinterlegen. Damit bleibt es nachher für die unterbrochene Dauer länger gültig. Trotzdem gilt diese Regel weiterhin nur für 30 Tage. Und Halbtax, GA Familia, GA Jugend und GA Hund lassen sich nicht pausieren. Das sorgt bei der Bevölkerung für Missmut. 

Auf der Facebook-Seite der SBB hagelt es wütende Kommentare. Einige fordern etwa, die Preise des GAs zu senken, andere, dass die Kündigungsfrist von vier Monaten wegen der Pandemie entfallen soll. Und selbst wenn sich das GA zwar hinterlegen lässt, seien 30 Tage zu wenig, lautet das Echo der Kunden. Schliesslich sei das Ende der Krise noch nicht einmal in Sicht.

Sowohl für die einmonatige Frist bei der GA-Hinterlegung als auch für die allgemeinen Tarife sind jeweils nicht die einzelnen Betriebe, sondern der Branchenverband Alliance SwissPass zuständig. Dort steht man hinter dem Entscheid: «Die Möglichkeiten für GA-Besitzer sind sehr kundenfreundlich», sagt Mediensprecher Thomas Ammann.

Zeitnahe Lösung für alle Abo-Kunden

Das Angebot des öffentlichen Verkehrs bestehe trotz des ausgedünnten Fahrplans schliesslich nach wie vor. «Viele Kunden nutzen die öffentlichen Verkehrsmittel aufgrund ihrer persönlichen Situation nicht mehr», sagt Ammann. Das müsse bei all der Kritik berücksichtigt werden. Aber: «Wir verstehen das Bedürfnis der Abo-Inhaber nach einem Entgegenkommen der öV-Unternehmen und möchten deshalb ein Zeichen der Wertschätzung setzen.»

Diesbezüglich werde derzeit an einer schweizweiten und branchenweiten Lösung gearbeitet. Weil die Abonnemente aber über verschiedene Systeme liefen, sei dies eine Herausforderung. «Die Lösung muss finanzierbar und technisch umsetzbar sein. Ausserdem müssen alle Partnerbetriebe in diesen Prozess eingebunden sein», sagt Ammann.

Wie diese Lösung am Schluss aussehen wird, sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbar. «Alles ist möglich», sagt Ammann. Ob die 30-Tage-Frist bei der Hinterlegung von GAs abgeschafft wird oder künftig auch das Halbtax und Streckenabos hinterlegt werden können, dazu äussert sich Ammann nicht.

Die Alliance SwissPass will möglichst zeitnah zu einer Übereinstimmung kommen. Aber selbst wenn sich die Diskussionen noch etwas hinaus zögen, sei eine rückwirkende Umsetzung der Lösung möglich. «Wir haben die Daten unserer Kunden und können deshalb später auch nachvollziehen, wer während der Krise betroffen war», sagt Ammann.

Vorwiegend positive Reaktionen auf Fahrplan-Ausdünnung

Auch wenn die Tarif-Regelung bei vielen Kunden derzeit auf Unverständnis stösst, kommt der Entscheid, den Fahrplan auszudünnen, anscheinend gut an. Viele Nutzer danken den Schweizerischen Bundesbahnen auf deren Facebook-Seite für ihren Einsatz und bekunden ihre Unterstützung.

Kritisiert wurde einzig, dass sich die Türen an den Bahnhöfen nicht automatisch öffnen beziehungsweise kurz vor Abfahrt schliessen und man als Fahrgast deshalb nach wie vor die Knöpfe anfassen müsse. Laut den SBB öffne der Lokführer bei der Ankunft alle Türen, dies sei jedoch nicht bei allen Kompositionen möglich.

«Durch das Corona-Virus ist im öffentlichen Verkehr die Nachfrage um bis zu 80 Prozent zurückgegangen», sagt SBB-Sprecher Martin Meier. Eine weitere Frequenzreduktion sei zu erwarten. Laut SBB-Sprecher Martin Meier ist der heutige Wechsel auf den ausgedünnten Fahrplan gut angelaufen. Weiterhin bestehen bleibe ein Grundangebot. «Damit kann das vom Bund empfohlene Social Distancing eingehalten werden.»

Fahrplanänderung sei eine «grosse Leistung»

Auch die Postauto AG bemerkt positive Reaktionen zur Fahrplanänderung: «Unsere Fahrgäste können die Notwendigkeit dieses Vorgehens nachvollziehen», sagt Mediensprecherin Mara Mallia. «Viele Kunden sind derzeit verständlicherweise noch verunsichert, wann und ob ihre Verbindung fährt. Deshalb bearbeiten wir momentan mehr Kundenanfragen.» Die angepassten Verbindungen seien ab sofort im Online-Fahrplan ersichtlich.

Noch ist die Anpassung aber nicht vollständig. «Bis anfangs April wird der ausgedünnte Postauto-Fahrplan in der ganzen Schweiz eingeführt sein«, sagt Mallia. Normalerweise daure so eine Anpassung mehrere Monate. «Es ist eine grosse Leistung, was die Verkehrsbetriebe innert kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben.»

Vergleichsweise wenig Fahrplanänderungen gibt es bislang rund um die Wirtschaftshauptstadt Zürich. «Viele Fahrgäste sind trotz der Krise auf unser Angebot angewiesen», sagt Stefan Kaufmann, Mediensprecher des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV). «Damit die Abstände zwischen ihnen trotzdem gewährleistet sind, fahren die S-Bahnen sowie die Trams und Busse weiterhin regelmässig im Taktfahrplan.»