Ruag streicht in Emmen bis zu 90 Stellen

Als Mitgrund wird die Einstellung des Airbus-Fliegers A380 und eine Neuausrichtung angegeben. Die Gewerkschaft Syna kritisiert die Pläne scharf.

Christopher Gilb
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Seit Anfang Jahr besteht der staatseigene Rüstungskonzern Ruag aus zwei Teilen; einer Wartungs- und Unterhaltswerkstätte für die Schweizer Armee und einem internationalen Unternehmen mit dem Fokus Flugzeugkomponenten und Raumfahrt. Letzteres soll 2021 privatisiert werden und längerfristig an die Börse gehen. Am Donnerstag hat diese Ruag International nun mitgeteilt, den Geschäftsbereich Flugzeugkomponenten neu ausrichten zu wollen.

Zu den Hintergründen heisst es, dass Ruag Aerostructures sich in einem «komplexen und hochkompetitiven Marktumfeld» bewege. Mit der Einstellung der Aufträge für den Airbus-Flieger A380 habe sich die wirtschaftliche Situation im Emmen zudem zusätzlich verschärft. Dort werden die Flügelspitzen und Aluminiumflügel des Superfliegers hergestellt, von dem 2021 der letzte das Werk verlassen wird. Gerechnet wird deshalb am Ruag-Standort in Emmen bis zum Jahr 2021 mit einem Stellenrückgang von heute 290 auf 200.

Dass der Einfluss der A380-Einstellung so gross ist, kommt überraschend. Im Februar 2019 hiess es in einem «Blick»-Artikel noch, dass die Ruag, da sie mehr Bestellungen für andere Airbus-Modelle erhalten habe, nicht damit rechne, dass die sechs Millionen Franken durch den Auftrag fehlen würden. Darauf angesprochen sagt Ruag-Sprecher Clemens Gähwiler: «Der A380 ist nicht der einzige Auslöser, aber durch die Einstellung hat sich die Situation in Emmen doch noch einmal verschärft, wie wir nach einer tiefergehenden Prüfung festgestellt haben.»

Auslagerung an andere Standorte

Im Vordergrund, heisst es in der Mitteilung, stehe die Entwicklung hin zu einem rentablen Aerospace-Konzern bis spätestens 2021. Deshalb soll «auf die unterschiedlichen Fähigkeiten der drei Standorte Emmen (CH), Oberpfaffenhofen (DE) und Eger (HU) gesetzt werden». Die Division in Emmen soll sich auf komplexe Technologien sowie auf die Oberflächenbehandlungen von Strukturbauteilen konzentrieren. Arbeitsintensive manuelle Tätigkeiten würden zukünftig Partnern am Standort Emmen übergeben, eingekauft oder an die anderen Standorte verlagert werden. «Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Bereich Aerostructures an der neuen Strategie auszurichten und den Standort Emmen langfristig zu sichern», wird Urs Kiener, CEO von Ruag International, zitiert.

Es gehe darum, das Know-how, das in Emmen bestehe, besser zu nutzen und für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit an allen drei Standorten zu sorgen, konkretisiert Sprecher Gähwiler auf Nachfrage. Zu möglichen Tätigkeiten, welche an Partner vor Ort ausgelagert werden könnten, sagt er, dass dazu beispielsweise das Zerspanen gehöre. Noch will er aber nicht zuviel sagen, da das Konsultationsverfahren erst eingeleitet wurde. «Ziel ist, dass die Firmen auch einen Teil der Mitarbeiter übernehmen.» Die Frage, ob auch an anderen Standorten Stellenstreichungen geplant seien, verneint er.

Die Gewerkschaft Syna kritisiert die geplante Stellenstreichung scharf. «Offenbar müssen nun die Angestellten dafür büssen, dass sich der Bund aus der finanziellen Verantwortung gezogen hat», heisst es in einer Mitteilung. Dass die Ruag erst jetzt reagiere, obwohl der Geschäftsbereich gemäss Mitteilung der Ruag schon länger unter Druck sei, werfe auch Fragen zur Rolle des Bundes auf. «War ein möglicher Stellenabbau vorauszusehen, oder wurde er sogar bewusst in Kauf genommen?», fragt die Syna. Es sei unerklärlich, warum der Bund nicht schon vor der Entflechtung seine Verantwortung wahrgenommen habe, so die Gewerkschaft. Sie fordert, alles zu unternehmen, um Entlassungen zu verhindern. Zudem müssten Nachfolgelösungen gefunden werden.

Gemäss Ruag soll ein Sozialplan zum Einsatz kommen, Lernende seien zudem nicht betroffen. Auch soll der Stellenabbau über eine restriktive Einstellungspolitik, natürliche Fluktuation sowie durch interne Stellenwechsel abgefedert werden. Nebst der Ruag International ist auch die neue Ruag Schweiz am Standort Emmen. Deren 600 Mitarbeiter sind nicht betroffen

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