Rückzug vom Arbeitsmarkt: In der Schweiz arbeiten 106'000 Personen weniger als vor der Krise

Seit Ende 2019 gingen in der Schweiz 58'000 Stellen verloren. Dies hat die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich berechnet. Insgesamt seien 106'000 Personen weniger im Arbeitsmarkt als zu Beginn des Jahres.

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Die Konjunkturforscher rechnen mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit (Symbolbild).

Die Konjunkturforscher rechnen mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit (Symbolbild).

Donato Caspari

(wap) Die Coronakrise habe den Schweizer Arbeitsmarkt mit voller Wucht getroffen, heisst es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF). Im zweiten Quartal habe es 58'000 Stellen weniger gegeben als Ende 2019. Im selben Zeitraum sei die Zahl der Erwerbstätigen um 106'000 gesunken. Für einen Viertel aller Beschäftigten sei Kurzarbeit abgerechnet worden.

Im zweiten Quartal 2020 hätten sich ausserdem zahlreiche Personen aus dem aktiven Erwerbsleben zurückgezogen: «Viele, die gerne arbeiten würden, hörten auf, aktiv nach einer Stelle zu suchen», schreibt die KOF. Nur die Hälfte der Personen, die keine Arbeit mehr haben, sei bei der Arbeitslosenversicherung gemeldet. Dies habe in diesem Ausmass überrascht, so die KOF. Wegen Kurzarbeit und tiefer Auslastung vieler Betriebe bleibe die Zahl der ausgeschriebenen Stellen tief, so die Prognose der KOF. Es sei weiterhin mit Betriebsschliessungen und Massenentlassungen zu rechnen. Es sei deshalb mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit zu rechnen, der Höhepunkt der Krise auf dem Arbeitsmarkt werde erst Anfang 2021 überschritten.

Letztjähriges Niveau wird erst 2022 wieder erreicht

In den am Montag publizierten Berechnungen geht die KOF für das Jahr 2020 von einem Rückgang des Bruttoinlandproduktes (BIP) um 4,7 Prozent aus. Im nächsten Jahr sei mit einem Wirtschaftswachstum von 3,7 Prozent zu rechnen. Das Niveau von Ende 2019 werde nicht vor 2022 erreicht. Damit befinde sich die Schweiz in der schwersten Wirtschaftskrise seit 45 Jahren.

Dabei gebe es allerdings grosse Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. So wirke die Pharmabranche stabilisierend auf die Schweizer Wirtschaft, während das verarbeitende Gewerbe mit einem starken und noch länger anhaltenden Einbruch zu kämpfen habe. Auch innerhalb der Branchen gebe es Unterschiede. Im Detailhandel etwa profitierten grössere Warenhäuser und der Onlinehandel, während Fachhändler weiterhin zu leiden hätten, so die KOF.