Schindler streicht 2000 Jobs – auch der Hauptsitz in Ebikon ist betroffen

Der Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler startet ein grosses Sparprogramm. In den nächsten zwei Jahren sollen weltweit 2000 Stellen gestrichen werden. Auch der Schweizer Hauptsitz ist betroffen.

Gregory Remez
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Blick auf das Schindler-Gelände am Hauptsitz in Ebikon.

Blick auf das Schindler-Gelände am Hauptsitz in Ebikon.

Bild: Manuela Jans-Koch (, 13. Februar 2020)

Der vorsichtige Optimismus aus dem ersten Quartal hat sich beim Lift- und Rolltreppenhersteller Schindler zur Jahresmitte in Luft aufgelöst. Das Halbjahresergebnis des Unternehmens mit Sitz in Ebikon ist zwar weniger schlecht ausgefallen als von Analysten befürchtet, dennoch hat Schindler die durch die Coronapandemie ausgelöste globale Rezession zuletzt immer deutlicher zu spüren bekommen. Sowohl der Auftragseingang als auch Umsatz und Gewinn lagen im ersten Semester deutlich unter dem Vorjahr.

Der Konzern will mit einer Restrukturierung und Kostenmassnahmen auf die in gewissen Ländern massiv eingebrochene Nachfrage reagieren. Dazu sollen über die nächsten zwei Jahre weltweit bis zu 2000 Stellen abgebaut werden, was ungefähr drei Prozent der derzeitigen Belegschaft von rund 65 000 Beschäftigten entspricht. «Die Bedingungen haben sich in den letzten Monaten weiter verschlechtert», sagt Konzernchef Thomas Oetterli zu den angekündigten Massnahmen. «Wir müssen nun handeln und Kosten entlang der kompletten Wertschöpfungskette reduzieren.»

200 Stellen weniger in der Schweiz

Auch wenn die Modalitäten des Stellenabbaus noch nicht restlos geklärt sind, steht bereits jetzt fest, dass auch die Schweiz betroffen sein wird. Das Unternehmen habe die Krise hierzulande zwar einigermassen gut gemeistert, sagt Oetterli. Dennoch komme man in der derzeitigen Lage nicht drumherum, sowohl am Hauptsitz in Ebikon als auch an anderen Schweizer Standorten Entlassungen auszusprechen. Bis zu 200 Stellen seien es gesamtschweizerisch. Abgebaut werde in erster Linie im administrativen Bereich, die Produktion sei vorerst nicht betroffen. Ein grosser Teil des Abbaus dürfte demzufolge auf die Ebikoner Zentrale abfallen.

Als Hauptgrund für die Restrukturierung nennt Schindler das hohe Mass an Unsicherheit bezüglich der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. «Um die bestehenden Stellen zu sichern, ist diese Massnahme leider nötig», sagt Oetterli.

Aufgrund des unabsehbaren Endes der Pandemie rechnet das Management mit einer weiteren Abschwächung der Märkte für Lifte und Rolltreppen. Eine Erholung auf das Vorkrisenniveau wird frühestens für das Jahr 2022 erwartet. Zudem wird die weitere Aufwertung des Schweizer Franken als Faktor beim Umsatz und bei den Kosten genannt. In einzelnen Märkten werde es allerdings auch wieder Wachstumschancen geben.

«Das Problem ist, dass sich die Märkte ganz unterschiedlich schnell erholen», sagt Konzernchef Oetterli. «Während die Wirtschaft in einigen Ländern wie der Schweiz relativ schnell wieder hochgefahren werden konnte, haben andere Staaten, die noch immer von Lockdowns betroffen sind, wie Brasilien, Indien, aber auch die USA, massive Probleme. Dort wird die Erholung der Wirtschaft zum Teil Jahre dauern.» Ausserdem zeichne sich bereits jetzt ein fundamentaler Wandel des Kundenverhaltens ab. Zum Beispiel werde die Nachfrage nach Liften und Rolltreppen für Shoppingcenter coronabedingt stark sinken.

Fabrikschliessungen und stillstehende Baustellen

Die allgemein tiefere Nachfrage zeigt sich bereits anhand der Zahlen zum ersten Semester. So sank der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 12 Prozent auf 5,36 Milliarden Franken, der Umsatz ging um 8,7 Prozent auf 4,96 Milliarden zurück. Die Rückgänge in Lokalwährungen betrugen nur 6,6 respektive 3,1 Prozent, woran der starke Frankeneffekt abzulesen ist. Der Gewinn von Schindler schrumpfte derweil um satte 28,2 Prozent auf 313 Millionen Franken. Die Einbussen seien auf Lockdown-bedingte temporäre Fabrikschliessungen sowie stillstehende Baustellen in mehreren Ländern zurückzuführen, liess Schindler verlauten. Am stärksten seien dabei die Regionen Amerika und Asien-Pazifik von der globalen Rezession betroffen gewesen.

Der bisherige Ausblick für das Gesamtjahr wurde leicht angepasst, fällt nun jedoch etwas optimistischer aus als zuvor. Neu rechnet Schindler mit einem Umsatzrückgang zwischen 0 und -6 Prozent (zuvor -10 Prozent. Der Gewinn wird unter Berücksichtigung der aktuellen Situation und Restrukturierungskosten von bis zu 130 Millionen Franken im laufenden Jahr auf 680 bis 720 Millionen Franken prognostiziert.

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