Schweizerische Nationalbank
Thomas Jordan: «Die Bedingungen zu verschärfen, wäre völlig verfrüht»

Trotz Pandemie steigen die Preise weiter. Dennoch sieht Thomas Jordan zumindest kurzfristig keine Gefahr einer Inflation. Ein anderes Risiko bereitet dem Nationalbankpräsidenten aktuell mehr Sorgen.

Samuel Thomi
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Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, verteidigt einmal mehr die Geldpolitik seiner SNB.

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, verteidigt einmal mehr die Geldpolitik seiner SNB.

Keystone

Die Inflation in der Schweiz liege derzeit zwar nur knapp über Null. Und weltweit seien die Produktionskapazitäten noch immer nicht wieder ausgelastet. Dennoch sieht Nationalbankpräsident Thomas Jordan keinen Grund, an der bisherigen Geldpolitik etwas zu ändern. «Die monetären Bedingungen zu verschärfen, wäre völlig verfrüht», sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) am Samstag im Interview mit der NZZ. Denn: «Wenn die Inflation einmal ausser Kontrolle gerät und dann wieder gesenkt werden muss, ist das meistens mit Rezessionen verbunden.» Sprich: Die SNB denkt noch immer nicht daran, etwa die aufgeblähte Bilanz mit Devisenverkäufen wieder zu verkürzen.

Ganz ohne Sorgen lässt Thomas Jordan die aktuelle Geldpolitik dennoch nicht. Nachdem die Bilanz der SNB als Folge des Drucks auf den Franken seit 2018 massiv angestiegen ist, überschritt diese im Februar die 1000-Milliarden-Grenze. Damals habe man denn auch begonnen, die Rückstellungen zu erhöhen, sagt der 58-jährige Bieler. Dies, obwohl eine derart hohe Bilanz für eine Nationalbank per se noch kein Problem bedeute. Aber mit der Grösse stiegen eben auch die Risiken. Thomas Jordan: «Wir vergrössern die Bilanz nur, wenn wir überzeugt sind, dass der geldpolitische Nutzen höher ist als das zusätzliche finanzielle Risiko.»

«Wir überprüfen unser Konzept regelmässig»

Die Angst vor einer Inflation, also der allgemeinen und anhaltenden Erhöhung des Preisniveaus von Gütern und Dienstleistungen, liess zuletzt die US-Zentralbank FED ihre Geldpolitik neu beurteilen. Und auch die Europäische Zentralbank (EZB) hat bereits angekündigt, aufgrund der Minderung der Kaufkraft des Geldes ihre Geldpolitik überdenken zu wollen.

Anders die SNB: Die Schweizerische Nationalbank sieht dazu im Moment weiterhin keinen Handlungsbedarf. «Wir definieren Preisstabilität als positiven Anstieg der Konsumentenpreise von unter 2 Prozent», sagt Thomas Jordan. Diese Definition habe sich bewährt. Auch lasse die SNB «temporäres Unter- und Überschiessen der Inflation zu, wenn dies sinnvoll ist», so der Nationalbankpräsident.

Thomas Jordan betont aber auch: «Wir überprüfen unser Konzept regelmässig auf seine Zweckmässigkeit.» Und mit Blick über die Grenzen mahnt der SNB-Präsident, dass die Grenzen zwischen Fiskal- und Geldpolitik zunehmend drohten vermischt zu werden. Darum kaufe die Schweiz – anders als zum Beispiel die EZB – auch keine Schweizer Staatsanleihen.