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Kauf von Werbevermarkterin: Aufsichtsbehörde nimmt Post unter die Lupe

Die Post hat eine weitere Beschwerde am Hals. Grund ist einmal mehr die umstrittene Einkaufstour des gelben Riesen. Nun liegt der Ball bei der Aufsichtsbehörde Postcom.

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Die Shoppingtour der Post führt zu viel Kritik.

Die Shoppingtour der Post führt zu viel Kritik.

Keystone

Die Post kauft Firma um Firma ein und hat dafür stolze 1,5 Milliarden Franken reserviert. Die neue Unternehmensstrategie von Konzernchef Roberto Cirillo sorgt seit Monaten für rote Köpfe. Der Vorwurf: Mit dem Griff auf neue Geschäftsfelder ritzt die Post an den gesetzlichen Grundlagen. Nun muss sich die Aufsichtsbehörde Postcom mit dem Thema beschäftigen.

Auslöser ist der Kauf der Werbevermarkterin Livesystems durch die Post. Diese betreibt Werbebildschirme im öffentlichen Verkehr, an Tankstellen und im Aussenraum. Für den Verband Aussenwerbung Schweiz (AWS) und die Werbefirma Clear Channel Schweiz hat das nichts mit dem Leistungsauftrag der Post zu tun.

Post macht sich breit

Sie haben deshalb diese Woche bei der Aufsichtsbehörde Postcom eine Beschwerde eingereicht. Darüber hatte die zuerst die Tamedia-Zeitungen am Freitag berichtet. Das Anbieten einer digitalen Infrastruktur für Werbung und Kommunikation gehöre nicht zu den Aufgaben der Post, kommen die Beschwerdeführer gestützt auf ein Gutachten zum Schluss.

Die Hauptforderung ist brisant: AWS und Clear Channel Schweiz verlangen, dass der Kauf von Livesystems rückgängig gemacht wird. Die Post habe sich «aus dem Geschäft der Fremdvermarktung von analogen und digitalen Aussenwerbeangeboten gänzlich zurückzuziehen», heisst es in der Beschwerde, die auch CH Media vorliegt.

Sollte die Aufsichtsbehörde diesen Punkt abweisen, soll Livesystems nicht mehr an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen dürfen. Dank postalischer Staatsgarantie könnte Livesystems bei Ausschreibungen für die digitalen und analogen Plakatwände in Bahnhöfen, Flughäfen oder Busstationen nämlich ungehemmt mitbieten, kritisieren die Beschwerdeführer. Sollte das Unternehmen die avisierten Werbeeinnahmen nicht erreichen, könnte die Post dann die Differenz berappen, während die privaten Mitbewerber in schlechten Jahren selber für die garantierte Summe geradestehen müssten.

Nicht die einzige hängige Beschwerde

Diesen Vorwurf lässt die Post nicht gelten. Zwar streitet sie nicht ab, dass dadurch das Geschäft ausgedehnt würde. Allerdings versucht sie die Konkurrenz zu beruhigen: «Livesystems kann nur an Ausschreibungen mitmachen, die sie aus eigener Kraft finanziert», betonte Oliver Egger, zuständig im Post-Konzern für das Werbegeschäft und neu auch Verwaltungsratspräsident der soeben übernommenen Livesystems, im September gegenüber CH Media. Die Post werde nicht für irgendwelche Millionenbeträge haften.

Es ist nicht die erste Beschwerde, die im Zusammenhang mit der Einkaufstour der Post, auf dem Tisch der Aufsichtsbehörde liegt. Im November hatte die St. Galler Softwarefirma Abacus ebenfalls eine Beschwerde eingereicht. In diesem Fall geht es um die Übernahme der Klara Business AG. Das Unternehmen bietet unter anderem Cloud-basierte Programme für Buchhaltung und Verwaltung an. Die Argumentation ähnelt jener bei Livesystems. Im Raum steht die Frage, ob die Post mit dem Kauf ihren gesetzlichen Leistungsauftrag in unzulässiger Weise ausgeweitet habe. (rwa/fv)