Studie
Raiffeisen sieht Trend zu Wohneigentum ungebrochen – und warnt vor Zombies

Herr und Frau Schweizer sehnen sich weiterhin nach den eigenen vier Wänden. Im Gegensatz zu anderen Ländern muss man in der Schweiz dafür sogar eher kurz arbeiten.

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In der Schweiz muss ein Haushalt durchschnittlich 8,5 Jahre arbeiten, um so viel zu verdienen, wie eine durchschnittliche Eigentumswohnung kostet.

In der Schweiz muss ein Haushalt durchschnittlich 8,5 Jahre arbeiten, um so viel zu verdienen, wie eine durchschnittliche Eigentumswohnung kostet.

Keystone

Schaffe, schaffe, Häusle bauen. Der Wunsch vieler Schweizerinnen und Schweizer nach Wohneigentum ist trotz Pandemie ungebrochen, schreibt die Raiffeisen in einer Mitteilung vom Donnerstag. Gerne hätte man dieses «Häusle» schon, wenn die Kinder noch Kinder sind. Nur: «Wer nicht bereits wohlhabend ist oder über Erbvorbezüge an Kapital gelangen kann, wird erst in einer späteren Lebensphase eigentumsfähig. Um die eigenen Kinder im Einfamilienhaus aufwachsen zu sehen, wird es dann aber für einige zu spät sein», sagt Martin Neff, Chefökonom von Raiffeisen Schweiz. Grund sind die steigenden Preise und die hohen Einkommens- und Eigenkapitalanforderungen.

Auf die Hochpreisinsel Schweiz zu schimpfen, würde aber zu kurz greifen, schreibt die Raiffeisen. Ein Blick über die Grenze würde zeigen, dass hierzulande die «Schaffe, Schaffe»-Phase kürzer dauere als anderswo. «Nur rund achteinhalb Jahre muss ein Haushalt hierzulande theoretisch arbeiten, um so viel zu verdienen, wie eine durchschnittlich Eigentumswohnung kostet», heisst es in der Mitteilung. In Deutschland ist es ein halbes Jahr länger, in Österreich muss zehn Jahre gearbeitet werden und in Frankreich gar 13 Jahre.

Untersterblichkeit in der Gastrobranche

Ähnlich überraschend ist die Erkenntnis der Raiffeisen bei den Restaurants und Hotels. Diese scheinen die Pandemie mit einem «blauen Auge» zu überstehen. «Bisher kann keine Zunahme der Leerstände oder spürbarer Druck auf die Mietpreise ausgemacht werden», heisst es in der Studie. Auch dank der staatlichen Hilfen hätten sich Mieter und Vermieter durchschlagen können. Raiffeisen hat festgestellt, dass es im vergangenen Jahr in der Branche gar zu weniger Konkursen kam als in Durchschnittsjahren.

Nur: Was auf den ersten Blick erfreulich klingt, könnte sich auch als Bumerang herausstellen. Diese «Untersterblichkeit» sei ein Indiz dafür, dass dank der staatlichen Unterstützung auch Unternehmen am Leben gehalten wurden, die unter normalen Umständen ihre Türen längst hätten schliessen müssen. Raiffeisen nennt diese Betriebe «wandelnde Untote» und befürchtet, dass solche Zombies mittelfristig dann doch eingehen würden.