Unterirdische Güterbahn
Planzer-Chef: Pläne für Cargo sous Terrain sind «völlig überrissen»

Die Logistik-Gruppe Planzer hat das Projekt Cargo sous terrain anfänglich mitfinanziert. Mittlerweile hat sich die Firma aus dem Projekt zurückgezogen. CEO Nils Planzer bezweifelt, dass das Vorhaben machbar ist.

Dario Pollice
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Nils Planzer, CEO des Logistikunternehmens Planzer, findet die Pläne zu Cargo sous terrain «völlig überrissen».

Nils Planzer, CEO des Logistikunternehmens Planzer, findet die Pläne zu Cargo sous terrain «völlig überrissen».

Emanuel Per Freudiger / LTA

Das Transportnetz von Cargo sous terrain soll dereinst 500 Kilometer umfassen. Bis 2045 will die gleichnamige Aktiengesellschaft ein unterirdisches Transportsystem für kleinteilige Güter einrichten. Hinter dem Projekt stehen hauptsächlich Unternehmen aus der Transport-, Bau- und Logistik-Branche. Auch die landesweit grösste Transportfirma Planzer hat das Vorhaben anfänglich unterstützt.

Doch dann sei immer mehr aufs Tempo gedrückt worden, wie CEO Nils Planzer zur NZZ am Mittwoch sagt. «Bei diesen konkreten Plänen haben wir gemerkt, dass es völlig überrissen wäre, zum heutigen Zeitpunkt eine so umfassende zusätzliche Infrastruktur zu bauen.» Deshalb habe die Transportfirma mit Sitz in Dietikon ZH sich vom Projekt zurückgezogen.

Der Ständerat hat jüngst grünes Licht für Cargo sous terrain gegeben und den rechtlichen Rahmen für das Projekt bewilligt. Doch laut Nils Planzer sitzen keine Logistikfachleute im Parlament. Deshalb seien die Politiker «empfänglich für die futuristischen und perfekt verpackten Pläne von Cargo sous terrain». Weil das Projekt ohne Finanzierung vom Bund auskomme, könne er die Begeisterung im Parlament ein Stück weit nachvollziehen. Aber, so der Planzer-Chef weiter: «Ich bezweifle stark, dass dieses Projekt realistisch und machbar ist.»

Planzer-CEO: lieber bestehende Infrastrukturen ausnutzen

Nils Planzer glaubt nicht, dass Cargo sous terrain die heutigen Verkehrsprobleme löse. «Denn für die Verkehrsüberlastung sind fast ausschliesslich die PKW verantwortlich. Die Politik sollte dort den Hebel ansetzen.» Anstatt ein unterirdisches Transportnetz zu schaffen, solle man dafür sorgen, dass die bestehenden Infrastrukturen besser ausgenutzt werden, sagt er im Zeitungsinterview.

Das Konzept von Cargo sous terrain sieht einen unterirdischen dreispurigen Tunnel zwischen wichtigen Logistikzentren im Mittelland und in der Nordwestschweiz vor, der rund um die Uhr in Betrieb ist. Darin sollen Güter mit rund 30 Kilometern pro Stunde transportiert und an Zugangsstellen vollautomatisch mit Liften ins System eingespeist oder entnommen werden. Die Kosten werden auf 30 bis 35 Milliarden Franken geschätzt. Der Bund wird sich nicht an der Finanzierung beteiligen.