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«Viele Unternehmer sind erschöpft»: BDO blickt auf schwieriges, aber erfolgreiches Jahr zurück

Der Unternehmensberater BDO kann das vergangene Geschäftsjahr mit einem Umsatzplus abschliessen. Sowohl Firmen als auch die öffentliche Hand brauchten wegen Corona mehr Unterstützung – und die Arbeit dürfte so bald nicht ausgehen.

Gregory Remez
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Heinz Vogel, BDO-Präsident in der Luzerner Niederlassung.

Heinz Vogel, BDO-Präsident in der Luzerner Niederlassung.

Bild: Dominik Wunderli (13. April 2021)

Noch vor einem Jahr habe er fest mit einem Geschäftsrückgang gerechnet, gesteht Heinz Vogel, Verwaltungsratspräsident von BDO Schweiz. Gekommen sei es aber dann zum Glück anders: Trotz schwieriger Bedingungen konnte der Unternehmensberater seinen Umsatz im letzten Jahr um 5,3 Prozent von 221 auf 233 Millionen Franken steigern, wie dem am Mittwoch publizierten Geschäftsbericht zu entnehmen ist. «Damals, als die Pandemie ausbrach, hätte ich das nie gedacht», sagt Vogel. Auch sei er positiv überrascht gewesen, wie schnell der Staat den Unternehmen zu Liquidität verhalf.

Zulegen konnte BDO in sämtlichen Sparten und Regionen. In der Zentralschweiz, wo der Berater über sieben Niederlassungen verfügt, sei das Wachstum zwar vergleichsweise moderat gewesen, sagt Vogel. «Zu unserer Überraschung konnte BDO aber viele Unternehmenskäufe begleiten.» Profitiert hätten insbesondere die Subzentren in Zug und Sursee.

In den beiden wichtigsten Unternehmensbereichen Wirtschaftsprüfung und Treuhand, die je rund einen Drittel des Gesamtumsatzes ausmachen, erzielte BDO ein Wachstum von über drei Prozent:

BDO Schweiz in Zahlen

Bereich, in Mio. Franken 2020 Veränderung zu 2019 (in %)
Gesamtumsatz 233 +5,3
davon Wirtschaftsprüfung 76,8 +3,3
davon Treuhand 73,8 +3,6
davon Steuern und Recht 28,5 +2,8
davon Finanzdienstleistungen 17,6 +3,3
davon übrige Dienstleistungen 36,3 +16,9
Mitarbeitende 1 461 +10,6
Kunden 24 507 +4,8

Vor allem der Treuhandbereich habe vom coronabedingten Digitalisierungsschub profitiert, sagt Vogel. Zudem sei der Beratungsbedarf aufseiten der Unternehmen höher als sonst gewesen. So habe es Tausende Anfragen zu Themen wie Kurzarbeit oder Erwerbsersatz gegeben. Selbst die öffentliche Hand habe zusätzliche Unterstützung gebraucht, etwa bei der Prüfung der Härtefallgesuche. «Da brauchte es die Expertise der Treuhänderinnen und Treuhänder.»

Wachsende Müdigkeit bei Arbeitgebern

Zulegen konnte BDO aber nicht nur beim Umsatz, sondern auch beim Kundenstamm: 4,8 Prozent Neukunden verzeichnete der Unternehmensberater im Coronajahr 2020; somit zählt er nun insgesamt 24'507 Kunden. BDO Schweiz ist hinter den sogenannten «Big Four» Ernst & Young (EY), PricewaterhouseCoopers (PWC), KPMG und Deloitte die Nummer fünf unter den Revisions- und Beratungsfirmen.

Die Pandemie habe evidenter denn je gemacht, dass eine moderne IT-Infrastruktur, mobiles Arbeiten, die Offenheit für E-Business und der Aufbau einer Kundenbasis im Web zentrale Erfolgsfaktoren für Unternehmen seien, schreibt das BDO-Management im Geschäftsbericht. Zurzeit arbeiten noch immer rund zwei Drittel der Belegschaft im Homeoffice. Ermöglicht habe das Investitionen in die digitale Infrastruktur, betont BDO-Schweiz-CEO Thomas Studhalter. «Während der Pandemie hat sich bestätigt, dass Nähe nicht nur geografisch, also durch physische Nähe, definiert wird. Im Zeitalter der Digitalisierung ist vielmehr die Art und Weise der Interaktion und Zusammenarbeit entscheidend.»

Zum Instrument der Kurzarbeit musste BDO selbst im vergangenen Jahr nur ganz kurz greifen. In Lugano, das BDO zur Region Zentralschweiz zählt, habe es unmittelbar nach dem Ausbruch der Pandemie in gewissen Bereichen schlicht keine Aufträge mehr gegeben, erklärt Präsident Heinz Vogel. Doch die Lage habe sich schnell beruhigt, und so sei man damals nach wenigen Wochen wieder zum Vollbetrieb übergegangen.

Auch für das laufende Jahr sieht sich BDO in einer guten Lage. «Wir sind demütig ins Jahr gestartet, die Realität gestaltet sich nun aber besser als gedacht. Daher sehen wir uns weiter auf Wachstumskurs», sagt Vogel. Mit Blick auf die Lage innerhalb der Unternehmen stelle er dagegen eine wachsende Müdigkeit fest, vor allem aufseiten der Firmeninhaber. «Man muss sehen: 2020 und auch 2021 sind für Unternehmer überaus schwierige, anstrengende Jahre. Viele sind erschöpft. Ich glaube daher, dass gerade im KMU-Bereich in den nächsten Jahren mehr Unternehmer als sonst nach einer Nachfolgelösung suchen werden.»

Für BDO bedeutet das in absehbarer Zukunft: noch mehr Aufträge.

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