Ausfall eines US-Hedgefund
Nach Skandalen bei der Credit Suisse: Jetzt rollen die Köpfe – und Chefs müssen auf Boni verzichten

Beim Ausfall eines US-Hedgefund verliert die Credit Suisse 4,4 Milliarden Franken. Deswegen schreibt die Grossbank nun einen Quartalsverlust von 900 Millionen. Nebst personellen Konsequenzen verzichten die Bankchefs in einem einmaligen Schritt auf Boni.

Samuel Thomi
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Der Ausfall eines US-Hedgefund beschert der Credit Suisse Ausfälle von 4,4 Milliarden und einen Quartalsverlust von 900 Millionen Franken.

Der Ausfall eines US-Hedgefund beschert der Credit Suisse Ausfälle von 4,4 Milliarden und einen Quartalsverlust von 900 Millionen Franken.

Keystone

Statt wie zuletzt üblich mit einem satten Gewinn rechnet die Credit Suisse (CS) im ersten Quartal des laufenden Jahres mit einem Verlust von 900 Millionen Franken. Das teilte die Schweizer Grossbank am Dienstag mit. Den Verlust begründete die CS mit «jüngsten Entwicklungen im Zusammenhang mit einem in den USA ansässigen Hedgefund». Insgesamt hat die Credit Suisse bei dessen Ausfall laut Mitteilung 4,4 Milliarden Franken verloren.

Wie die Bank schreibt, ist diese Belastung in dem Quartalsverlust bereits eingerechnet. Laut übereinstimmenden Medienberichten vom Dienstag muss es sich bei dem vom Ausfall betroffenen Hedgefund um Archegos handeln. Zum zweiten derzeit von einem Finanzskandal betroffenen US-Fund Greensill macht die Credit Suisse noch keine Angaben zu allfälligen Verlusten.

CS-Chef Thomas Gottstein bezeichnete die Verluste mit dem Hedgefund Archegos als «inakzeptabel». In Verbindung mit der Affäre um den anderen US-Hedgefund Greensill habe dies unter den Stakeholdern der Bank grosse Besorgnis ausgelöst. Der Bankchef wird in der Mitteilung denn auch zitiert, man sei fest entschlossen, diese Situation zu bewältigen. Und Gottstein versprach: «Daraus werden wir ernsthafte Lehren ziehen.»

Chefs müssen gehen – Dividendenkürzung um zwei Drittel

Müssen gehen: Lara Warner und Brian Chin.

Müssen gehen: Lara Warner und Brian Chin.

Bilder: PD

Entsprechend müssen Risikochefin Lara Warner und Investmentbank-Chef Brian Chin die Credit Suisse per Ende April verlassen. Neuer Chef der Investmentbank wird Christian Meissner. Er zieht auch gleich in die Geschäftsleitung ein. Meissner ist erst seit Oktober bei der Credit Suisse. Die Leitung des Risikoabteilung übernimmt vorübergehend Joachim Oechslin. Er wird ebenfalls vorübergehend Einsitz nehmen in die Geschäftsleitung. Oechslin hatte dieses Amt bereits von 2014 bis 2019 inne. Die dritte Personalie aufgrund der Hedgefund-Affären betrifft Thomas Grotzer: Dieser leitet ab sofort interimistisch die Compliance-Abteilung. Er arbeitet bereits seit 2016 für die Credit Suisse.

Zudem passt der Verwaltungsrat die Traktanden der Generalversammlung vom 30. April an. So zieht er den Antrag auf Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrats (VR) und der Geschäftsleitung zurück. Und er beantragt den Aktionären noch eine Dividende von 10 Rappen. Bislang hatte die Credit Suisse für das Jahr 2020 noch rund dreimal so viel – nämlich 29,17 Rappen pro Aktie – ausschütten wollen. Die Dividende soll zudem neu je hälftig aus Bilanzgewinn und Kapitaleinlagereserven finanziert werden. Auch das bis zu 1,5 Milliarden teure Aktienrückkaufprogramm, welches die Credit Suisse Anfang Jahr wieder aufgenommen hatte, wird vorerst bis auf weiteres auf Eis gelegt.

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung verzichten auf Boni

Überdies will der abtretende VR-Präsident Urs Rohner auf seine Entschädigung von 1,5 Millionen Franken fürs letzte Jahr verzichten. Auch die CS-Geschäftsleitung mit CEO Thomas Gottstein wird laut einem Entscheid des Verwaltungsrates auf ihren Bonus verzichten müssen, welcher ihr für das vergangene Jahr zugestanden wäre. Das ist eine für eine Bank äusserst seltene und symbolträchtige Massnahme.

Die hinter der UBS zweitgrösste Bank der Schweiz hatte bereits in der vergangenen Woche vor hohen Verlusten gewarnt. Dies weil ein bedeutender US-Hedgefund sogenannten Nachschussforderungen der Credit Suisse und einiger anderer Geldhäuser nicht mehr nachgekommen sei.

Drohen weitere Milliardenverluste?

Dabei muss es sich laut übereinstimmenden Medienberichten um den Archegos-Fonds des Investors Bill Hwang handeln. Die Credit Suisse indes nennt keinen Namen, sondern verweist in ihrer Stellungnahme lediglich auf «einen in den USA ansässigen Hedgefund».

Zudem war in den vergangenen Wochen bekannt geworden, dass die CS mutmasslich auch in den Finanzskandal um das Finanzinstitut Greensill Capital verwickelt ist. Dort sollen ebenfalls grosse Abschreiber drohen. Medienberichten zufolge betragen die Ausfälle der Bank im Fall des Lieferketten-Finanzierers weitere 3 Milliarden Franken. Dazu hat sich die Bank bislang allerdings nicht geäussert.