Analyse

Weil es ihnen zu langsam geht: Jetzt wollen Sunrise und Salt Glasfaser in die Agglomerationen bringen

Für drei Milliarden Franken legen die beiden Telekomfirmen neue Kabel. Sie haben vor allem die Agglomerationen im Visier. Verhindern sie so ein Monopol der Swisscom?

Stefan Ehrbar
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Der Ausbau von Glasfasernetzen geht Sunrise und Salt zu langsam voran.

Der Ausbau von Glasfasernetzen geht Sunrise und Salt zu langsam voran.

Keystone

In der Schweiz hat noch nicht einmal jeder dritte Haushalt einen Glasfaseranschluss. Sunrise und Salt planen, das zu ändern. Die Telekomfirmen wollen in den nächsten 5 bis 7 Jahren drei Milliarden Franken investieren, um 1,5 Millionen weitere Haushalte mit Glasfasern zu erschliessen. Die Leitungen werden bis in die Wohnungen oder Geschäftsräume gelegt (sogenanntes «Fibre To The Home», kurz FTTH).

Zu diesem Zweck haben die beiden Firmen das Joint Venture «Swiss Open Fibre» gegründet, das sie zu gleichen Teilen halten. Ein Kapitalpartner soll ebenfalls beteiligt werden, muss aber noch gefunden werden. Einen Fokus will das neue Unternehmen auf Agglomerationen legen. Es gebe dort viele Gemeinden, die noch keine Glasfaserverbindungen hätten, sagt Marc Furrer, der Präsident von Swiss Open Fibre. Als Beispiel nannte Salt-Chef Pascal Grieder gestern die Gemeinden Muri bei Bern und Prévessin bei Genf.

Swisscom soll nicht zu dominant werden

Die Gründung der Swiss Open Fibre kommt nur wenige Wochen, nachdem die Swisscom verkündet hat, die Zahl ihrer Glasfaser-Anschlüsse in die Wohnungen bis 2025 im Vergleich zu 2019 zu verdoppeln und «mehrere Milliarden Franken» in die Modernisierung ihres Festnetzes stecken zu wollen.

Damit zwang die Marktführerin die Konkurrenz zum Handeln: Einerseits gilt es aus Sicht von Sunrise und Salt, die Glasfaserabdeckung schneller zu erhöhen, als es die Swisscom alleine könnte. Andererseits wollen sie verhindern, dass die Swisscom die unangefochtene Herrscherin über die Glasfasernetze wird.

Wurde zu langsam ausgebaut?

In diesem Geschäft gibt es so gut wie keine Regulierung, ein Quasi-Monopolist in den Agglomerationen könnte die Konditionen diktieren. «Bei Swiss Open Fibre geht es darum, Wettbewerb zu ermöglichen», sagt Sunrise-Chef André Krause dieser Zeitung. Das komme den Kunden zugute. Ein neues Monopol werde nicht entstehen, da die Plattform allen interessierten Dritten zu den gleichen Konditionen zugänglich gemacht werde.

Dieses Modell funktioniert heute schon in vielen grösseren Städten – und dort sei auch der Wettbewerb am stärksten, sagt Krause. Dass das neue Joint Venture der Swisscom ins Gehege kommt, glaubt er nicht. «Wir können die Swisscom nicht daran hindern, auch zu bauen. Aber es gibt noch so viele weisse Flecken - die kann die Swisscom gar nicht alleine erschliessen.» In der Vergangenheit sei der Glasfaserausbau zu langsam erfolgt. «Es fehlte an Dynamik. Keiner der Involvierten hat genug Effort geleistet.»

Kabelnetze als Kunden im Visier

Für Sunrise und Salt sind drei Milliarden Franken zwar viel Geld. Man rechne aber damit, günstiger bauen zu können als in der Vergangenheit, auch dank neuer Technologien. Zudem werde eine Infrastruktur fast für die Ewigkeit erstellt, die stetige Gebühreneinnahmen generiert. Die Verantwortlichen rechnen damit, dass dereinst auch Kabelnetzbetreiber zu den Kunden gehören. Schliesslich werde deren Technologie nie die selbe Bandbreite liefern können wie ein Glasfasernetz.

Auch die Swisscom soll die neue Infrastruktur nutzen können, so wie sich umgekehrt Salt und Sunrise bereits heute in Glasfasernetze einmieten, die von der Swisscom gebaut wurden. Bei der Swisscom heisst es, man sei «offen für Gespräche» mit dem neuen Joint Venture und prüfe wie in der Vergangenheit Möglichkeiten zur Kooperation. Dass nun neue Anbieter in das Netz investierten, zeige, wie gut der Schweizer Ansatz bei der Regulierung funktioniere, sagt ein Sprecher.

5G ist nur für wenige eine Alternative

Im Endausbau rechnen Sunrise und Salt damit, dass 70 Prozent der Schweizer Haushalte über einen Glasfaserausbau verfügen. Das wäre mehr als eine Verdoppelung, nachdem der Anteil in den letzten zehn Jahren fast nicht mehr wuchs. Keine Glasfaser wird es auch künftig für viele ländliche, weiter entfernte Gemeinden geben.

Für diese könne die Versorgung über 5G eine Alternative sein, sagt Salt-Chef Pascal Grieder. Klar sei aber: «Im Festnetzbereich wird eine drahtlose Lösung nie besser sein als Glasfaser, ob das nun 5G, 6G oder 7G ist. In Sachen Qualität und Geschwindigkeit lässt sich Glasfaser nicht überbieten - und wird auf alle Zeit überlegen sein.»

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