Wirtschaft
Auf Krise folgt Boom: Economiesuisse erwartet BIP-Wachstum von 3,4 Prozent

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse prognostiziert für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von 3,4 Prozent. Risiken seien die Verschuldung und die Entwicklung der Immobilienpreise.

Gina Bachmann, Peter Walthard
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Zumindest kurzfristig geht es nur aufwärts: Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. (Archivbild)

Zumindest kurzfristig geht es nur aufwärts: Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. (Archivbild)

Keystone

Der Schweiz steht ein wirtschaftlicher Aufschwung bevor – so prognostiziert es zumindest der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse. «Wir sehen einen Kompensationseffekt», sagte Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Misch am Dienstag an einer Medienkonferenz. Beim Bruttoinlandprodukt (BIP) rechne er mit einem Wachstum von 3,4 Prozent in diesem Jahr, womit das Vorkrisenniveau der Wertschöpfung wieder erreicht werden dürfte. Die Arbeitslosigkeit geht laut Minsch von 3,2 Prozent auf 2,9 Prozent zurück.

Sowohl die Export- als auch die Binnenwirtschaft können laut Minsch zulegen. Im Exportgeschäft dürften vor allem die Maschinen-, Elektro-, und Metallindustrie vom Aufschwung profitieren. Beim Binnenkonsum sind es die Gastronomie, der Tourismus und der Detailhandel. Allgemein gilt: Je stärker der Einbruch im letzten Jahr war, desto grösser dürfte dieses Jahr das Wachstum ausfallen.

Banken profitieren, Baugewerbe weniger

Darüber hinaus werden aber auch Branchen profitieren, die nicht stark von der Pandemie betroffen waren. Das gilt wegen der gestiegenen Nachfrage nach Beratungsdienstleistungen etwa für den Bankensektor. Auch die chemisch-pharmazeutische Industrie und die Medizinaltechnikbranche dürften längerfristig profitieren, dies ungeachtet des Abbruchs der Verhandlungen über ein Rahmenabkommen mit der EU, wie Minsch ausführte. Etwas getrübt sind die Aussichten im Baugewerbe. Steigende Preise für Baumaterialien dämpfen die Nachfrage. Jedoch prognostiziert Economiesuisse auch für den Bau insgesamt ein Anstieg der Wertschöpfung.

Mit steigenden Konsumentenpreisen ist laut Economiesuisse trotz Aufschwungs nicht zu rechnen. Mit der Rückkehr des Einkaufstourismus, der Konkurrenz aus dem Ausland und den vermehrten Online-Einkäufen liessen sich aktuelle kaum Preisaufschläge durchsetzen. Ohnehin reagierten die Konsumentenpreise relativ träge auf Entwicklungen am Weltmarkt, so Minsch.

Staatsverschuldung wird mittelfristig zum Risiko

Wie lang der Boom anhalten könnte, ist unklar. Economiesuisse ist für das Jahr 2022 noch optimistisch mit einer Prognose von abermals plus 3 Prozent beim BIP. Minsch sieht aber auch Risiken. Insbesondere die hohe Staatsverschuldung der westlichen Länder sei im Verbund mit der laxen Geldpolitik der Notenbanken im Auge zu behalten: «Hier braut sich mittelfristig ein grosses Abwärtsrisiko zusammen», sagte Minsch. Das Risiko von unkontrollierten Entwicklungen an den Finanzmärkten, das Ausbrechen einer zweiten Euro-Krise oder ein Wiedererstarken des Frankens seien nicht auszuschliessen.

Dabei spielen auch die hohen Immobilienpreise eine Rolle: Hier sieht die Economiesuisse das Risiko eine «abrupten Korrektur». Wenig Einfluss auf die Schweizer Wirtschaft werde in absehbarer Zeit der Konflikt mit der EU um die Weiterentwicklung der bilateralen Verträge haben, sagte Minsch. Hier gehe es um Fragen der Standortattraktivität, deren Auswirkungen sich erst langfristig zeigen würden.

Der grösste Unsicherheitsfaktor sei aktuell aber nach wie vor das Coronavirus. «Die Pandemie hat uns immer wieder reingelegt», sagte Minsch. Damit die epidemiologische Lage nicht erneut ausser Kontrolle gerate, müsse die Durchimpfung der Bevölkerung bis im Herbst gelingen, so der Standpunkt der Economiesuisse.