Zug
Bitcoin Suisse zieht Gesuch für eine Banklizenz zurück – Finma sieht Mängel beim Thema Geldwäscherei

Das stark wachsende Kryptohandelsunternehmen aus Zug wartete seit Sommer 2019 auf einen Entscheid der Finma. Doch der Regulator hat Bedenken. Bitcoin Suisse will nun nachbessern und später ein neues Gesuch einreichen.

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Bitcoin-Suisse-Gründer Niklas Nikolajsen und CEO Arthur Vayloyan.

Bitcoin-Suisse-Gründer Niklas Nikolajsen und CEO Arthur Vayloyan.

Bild: Christian Beutler

(mim) Im Juli 2019 hat der Zuger Kryptodienstleister Bitcoin Suisse eine Banklizenz bei der Finanzmarktaufsicht (Finma) beantragt – jetzt zieht das Unternehmen dieses Gesuch wieder zurück. Wie Bitcoin-Suisse-CEO Arthur Vayloyan am Mittwoch sagte, sei die Unsicherheit darüber, wann die Finma die Lizenz erteilen könnte, ausschlaggebend gewesen für diesen Entscheid. Bitcoin Suisse werde sich nun strategisch repositionieren. Das alte Gesuch werde unter der Bedingung zurückgezogen, allenfalls später mit einem «frischen, adäquaten Lizenzgesuch» anzutreten, sagte der ehemalige Credit-Suisse-Banker.

Laut Vayloyan hat die Finma ein Hauptbedenken: «Die Finma hat das Gefühl, dass wir als bereits lizenzierte Bank wahrgenommen werden. Wir respektieren, dass die Finma gewisse Bedenken hat, aber wir brauchen klare Verhältnisse.» Die Finma selbst schreibt in einer Mitteilung, man habe Bitcoin Suisse darüber informiert, dass die Finma die Gesellschaft «nach heutigem Stand als nicht bewilligungsfähig einstuft und derzeit eine ungünstige Prognose» stelle. Verschiedene bewilligungsrechtlich relevante Elemente liessen eine Erteilung als unwahrscheinlich erscheinen, heisst es. Es bestünden unter anderem Hinweise auf Mängel im Geldwäscherei-Abwehrdispositiv. Die Gesellschaft werde nicht von der Finma beaufsichtigt, unterstehe jedoch der geldwäschereirechtlichen Aufsicht durch eine Selbstregulierungsorganisation.

Zum Thema Geldwäscherei räumt Bitcoin Suisse in der Mitteilung ein, der Gesuchsprozess habe gezeigt, dass «weitere Überprüfungen des Geldwäscherei-Abwehrdispositivs und allfällige Verbesserungen notwendig» seien. Bitcoin Suisse habe die entsprechenden Projekte eingeleitet, die jedoch mehr Zeit als erwartet benötigten.

Starkes Wachstum

«Bitcoin Suisse ist heute ein anderes Unternehmen als 2019», erklärte Vayloyan. Damit sprach er das enorme Wachstum an; allein 2020 habe sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt, der Gewinn habe sich innert Jahresfrist verzehnfacht. Bitcoin Suisse erwartet für das Gesamtjahr 2020 einen Umsatz von über 45 Millionen Franken und einen Reingewinn von über 15 Millionen Franken. Die Zahl der Kunden ist von 2500 auf 8000 angestiegen. 120 Arbeitsplätze habe man allein letztes Jahr geschaffen, vor allem in Zug. Total beschäftigt das Unternehmen heute 180 Personen in der Schweiz. «Wir sind das erfolgreichste Kryptounternehmen der Schweiz», so Vayloyan.

Das im Jahr 2013 von Niklas Nikolajsen gegründete Unternehmen hat als «Wechselstube» für Kryptowährungen angefangen. Mittlerweile bietet Bitcoin Suisse eine ganze Palette an Finanzdienstleistungen im Kryptoumfeld an. Vor dem Hintergrund des explodierenden Bitcoin-Kurses erlebte das Unternehmen in den letzten Monaten einen Kundenansturm und musste die finanzielle Grenze heraufsetzen, um die Anfragen von Kunden bewältigen zu können. Vayloyan gab zu verstehen, dass es für das Unternehmen anspruchsvoll gewesen sei, diesen Ansturm zu bewältigen und auf der anderen Seite die Vorgaben der Finma für eine allfällige Banklizenz zu erfüllen. In der Mitteilung heisst es, man werde die Wiedereinbringung eines Gesuchs nach der Umsetzung von Massnahmen, die dem starken Wachstum des Unternehmens Rechnung tragen, erneut prüfen.