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Das ungewöhnliche Comeback der Nidwaldnerin Andrea Ellenberger

Andrea Ellenbergers Geschichte ist bemerkenswert. Noch im Herbst trainiert die Nidwaldnerin ausserhalb der Swiss-Ski-Strukturen und auf eigene Kosten. Einige Monate ist sie Weltmeisterin.
Gab nie auf: die Nidwaldnerin Andrea Ellenberger (Bild: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

Gab nie auf: die Nidwaldnerin Andrea Ellenberger (Bild: KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT)

(sda)

Andrea Ellenberger hatte einst der gleichen Trainingsgruppe wie Michelle Gisin und Wendy Holdener angehört. Während dieses Duo jedoch bald einmal durchstartete, kam die Hergiswilerin nicht über vereinzelte Weltcup-Einsätze hinaus. Im Frühjahr 2016 flog die damals 23-Jährige aus den Swiss-Ski-Kadern. Wenige Monate zuvor hatte sie sich zum zweiten Mal einen Kreuzbandriss zugezogen. Dazu kamen Rückenschmerzen, welche sie schon seit Jahren plagten.

Ellenberger hätte also die besten Gründe gehabt, sich vom Skirennsport zu verabschieden. Doch sie hatte noch nicht abgeschlossen. Da war noch immer diese grosse Leidenschaft für «ihren» Sport. Und noch immer glaubte sie im tiefsten Inneren daran, «dass ich schnell sein kann. Wenn ich das Comeback nicht versucht hätte, so hätte ich es irgendwann bereut.»

«Es war richtig, nicht aufzugeben»

Fortan musste Ellenberger fast alles selber berappen und organisieren. Dabei wurde sie stark unterstützt von ihrem Freund Silvan Epp, der bis zum Ende der Saison 2017/18 als Speed-Trainer bei den Schweizer Weltcup-Abfahrerinnen arbeitete. Um unter solchen Voraussetzungen eine Rückkehr in den Spitzensport anzustreben, dazu brauche es «Mut und vielleicht auch etwas Wahnsinn», ist sich die WM-Debütantin bewusst. «Aber jetzt bin ich in Are, und das zeigt doch genau, dass es richtig war, nicht aufzugeben.»

Der schwierigste Moment auf dem Weg zurück kam, als die Nidwaldnerin realisierte, dass sie sich am Rücken operieren lassen muss. «Bei diesem Eingriff ging es nicht um die Frage, ob ich noch Spitzensport betreiben kann, sondern darum, dass ich den Alltag schmerzfrei bewältigen kann.» Die Operation im Frühling 2017 verlief gut, und später erhielt Ellenberger auch das Okay der Ärzte, um ihr Comeback voranzutreiben.

An der WM in Are teilzunehmen, «das war gar kein Ziel von mir». Vielmehr, so Ellenberger, sei es ihr vor der Saison darum gegangen, von den zahlreichen Verletzungen zurückzukommen und wieder gesund Skifahren zu können. Auf eigene Kosten begab sie sich für einige Wochen nach Argentinien. Aufgrund ihrer starken Leistungen in der südlichen Hemisphäre, wo sie gleich drei von sieben Riesenslaloms gewann und nie schlechter als Vierter war, empfahl sie sich für Höheres.

Nach vier Jahren wieder in Sölden

«Plötzlich wurde Sölden ein Thema», sagt Ellenberger, die von Dezember 2012 bis Oktober 2014 fünfmal im Weltcup gestartet, aber jeweils ohne Punkte geblieben war. Da das Schweizer Riesenslalom-Team der Frauen sehr dünn besetzt ist, wurde für sie eine komplette Weltcup-Saison daraus. Erstmals in die Top 30 schaffte sie es Ende Dezember als 22. in Semmering. Der 11. Rang in Kronplatz reichte dann aus, um für die WM selektioniert zu werden.

Die ersten positiven Eindrücke hat sie auch in Are, wo sie im «Idealfall in die Top 15 kommen möchte», schon sammeln können. So beobachtete die Riesenslalom-Spezialistin, die am Donnerstag als einzige Schweizerin neben Wendy Holdener und Lara Gut-Behrami am Start steht, die zweite Medaillenfeier von Corinne Suter im Publikum. «Inspirierend», habe sie dies gefunden, sagte Ellenberger danach. «Hoffentlich gibt es irgendwann auch für mich etwas zu feiern.» Nur einen Tag nach dieser Aussage wohnte sie der nächsten Siegerehrung gleich im Zentrum bei. Als Ersatzfahrerin im Team-Wettkampf erhielt sie auch ohne Einsatz ebenso wie Wendy Holdener und Ramon Zenhäusern eine Goldmedaille überreicht.

Ihr Weg zurück möge für Aussenstehende märchenhaft wirken, so Ellenberger. «Aber so einfach, wie es jetzt scheint, war es nicht. Der Weg zurück war hart. Ich musste auf vieles verzichten und untendurch.»

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