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Kaepernick - Pariah für die einen, Held der anderen

Colin Kaepernick tritt vor zwei Jahren eine Lawine los, als er bei einem Vorbereitungsspiel der NFL zur Nationalhymne niederkniet. Seither findet der ehemalige Quarterback der 49ers keinen Job mehr.
Kniend ins Abseits: Quarterback Colin Kaepernick findet kein Team mehr in der NFL (Bild: KEYSTONE/AP/TED S. WARREN)

Kniend ins Abseits: Quarterback Colin Kaepernick findet kein Team mehr in der NFL (Bild: KEYSTONE/AP/TED S. WARREN)

(sda)

Serena Williams machte klar, auf welcher Seite sie steht. Die New Yorker Tennisfans ebenfalls. Als er am letzten Wochenende das US Open besuchte und sich das Schwesternduell zwischen Serena und Venus Williams anschaute, erhielt Colin Kaepernick bei einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte eine Standing Ovation. Und anschliessend posierte Serena Williams mit der Nichte Kaepernicks für ein Foto.

Diametral auf der anderen Seite der Gefühlsskala steht Donald Trump. Er bezeichnete Spieler, die zur US-Nationalhymne nicht stramm stehen auch schon als «Hurensöhne». Colin Kaepernick, der die Bewegung von meist farbigen Footballspielern, die gegen Polizeibrutalität und Diskriminierung in Amerika protestieren, losgetreten hat, steht damit wie kaum ein anderer für die Zerrissenheit der amerikanischen Gesellschaft. Und er stürzte damit seinen Sport in eine tiefe Sinnkrise.

Rückgang der Einschaltquoten

Der 30-jährige Sohn eines schwarzen Vaters und einer weissen Mutter verdrängte 2012 in seinem zweiten vollen Jahr mit den San Francisco 49ers Quarterback Alex Smith und führte die San Francisco 49ers in dessen erste Super Bowl nach 18 Jahren Durststrecke (31:34-Niederlage gegen Baltimore). Vier Jahre später machte Kaepernick aus anderen Gründen Schlagzeilen. In zwei Vorbereitungsspielen sass er zunächst und kniete dann während der Nationalhymne, um «gegen Unterdrückung und die Tötung von schwarzen Jugendlichen durch die Polizei» zu protestieren.

Einige Spieler folgten seinem Beispiel, doch so richtig heftig wurde die Kontroverse, als sich der neu gewählte Präsident Trump einschaltete. Unter anderem forderte er von den Teambesitzern, dass sie Spieler und andere Angestellte entlassen, die nicht zur Hymne stünden. Als unmittelbare Reaktion auf Trumps Kritik schlossen sich deutlich mehr Spieler dem Protest an. Aber nicht für lange. Denn auch viele Fans reagierten verärgert. Die TV-Einschaltquoten gingen deutlich zurück.

American Football ist ein Paradox. Ein grosser Prozentsatz der Spieler ist dunkler Hautfarbe. Die Fanbasis ist aber mehrheitlich weiss und konservativ. Das Herz des Sports schlägt vor allem in eher ländlichen Gebieten wie Texas oder dem Mittleren Westen. Und wenn es ums Business geht, kennen die Amerikaner kaum ein Pardon. So will niemand die heisse Kartoffel Kaepernick anfassen. Ein paar protestierende Spieler gewähren lassen, ist das eine. Aber das Gesicht und Aushängeschild dieser Protestbewegung ins eigene Haus holen, das will keiner.

Seit sein Vertrag bei den 49ers vor zwei Jahren auslief, fand Kaepernick kein neues Team mehr, er wurde noch nicht mal in ein Trainingscamp eingeladen. Der bei Adoptiveltern aufgewachsene Quarterback wittert eine Verschwörung und hat die Liga eingeklagt. Sie hätten sich wegen seiner politischen Aktivität dazu verschworen, ihm keinen Job zu geben. Zwar konnte er seine grandiose Saison von 2012 nie ganz bestätigen, doch sämtliche Analysten sind sich einig, dass er deutlich besser wäre, als einige der gut 100 Quarterbacks, die zum Saisonstart bei den 32 NFL-Teams unter Vertrag stehen. Kaepernick hat klar gemacht, dass er auch die Rolle des Ersatzmannes akzeptieren würde.

Nikes Zeichen

Sportliche Gründe sind es wohl nicht, dass Kaepernick keinen Job mehr findet. Eine Verschwörung zu beweisen, dürfte aber fast unmöglich sein. Schliesslich würde die Verpflichtung des streitbaren Mannes das Risiko von sinkenden Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen bergen, und es könnte zu Spannungen in der Garderobe führen. Die Proteste einiger Spieler führen auch zu Rissen innerhalb von Teams. So ist Colin Kaepernick für die einen der Pariah, der seinen Sport verraten hat, für andere ein Held, der mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, auf Ungerechtigkeiten in Amerika hinweist.

Für die zweite Sichtweise hat sich etwas überraschend Nike entschieden. Der Sportartikel-Gigant verlängerte diese Woche seinen individuellen Werbevertrag mit Kaepernick. Das ist durchaus brisant, da Nike auch offizieller Ausrüster der NFL ist. Der Slogan im Rahmen des 30-Jahr-Jubiläums der Kampagne «Just Do It» lautet: «Glaube an etwas. Selbst wenn es bedeutet, alles zu opfern.» Präsident Trump kommentierte: «Das ist eine fürchterliche Botschaft.» Doch er fügte auch hinzu: «Ich hätte es nicht gemacht, aber es zeigt auch, worum es in diesem Land geht: Dass du Sachen machen kannst, die andere nicht tun würden.»

Für Proteste während dem Spielen der Hymne scheint dies allerdings nicht zu gelten. Kaepernick hat seine NFL-Karriere jedenfalls geopfert. Ob es das wert war? Zumindest finanziell sollte er nicht darben müssen.

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