100 symbolische «Gräber» am Strand von Copacabana

Mit der symbolischen Aushebung von 100 «Gräbern» am Strand von Copacabana haben Aktivisten gegen den Umgang der brasilianischen Regierung mit der Corona-Pandemie protestiert.

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Aktivisten haben an der Copacabana in Rio de Janeiro symbolisch Gräber ausgehoben, um damit gegen die Politik der Regierung in der Coronakrise zu protestieren.

Aktivisten haben an der Copacabana in Rio de Janeiro symbolisch Gräber ausgehoben, um damit gegen die Politik der Regierung in der Coronakrise zu protestieren.

KEYSTONE/AP/Leo Correa
(sda/afp)

Am Strandabschnitt direkt vor dem berühmten Hotel «Copacabana Palace» schaufelten sie am Donnerstag Reihen von rechteckigen Löchern. Darauf steckten die Aktivisten schwarze Kreuze mit kleinen brasilianischen Fahnen.

Mit der Aktion solle der brasilianischen Opfer der Pandemie gedacht und zugleich die «Inkompetenz» der Regierung von Präsident Jair Bolsonaro in ihrer Reaktion auf die Ausbreitung des Coronavirus angeprangert werden, erklärten die Aktivisten.

Hastig geschaufelte Gräber

Die Reihen von Löchern im Copacabana-Strand erinnern an die hastig geschaufelten Gräber in besonders hart von der Pandemie betroffenen brasilianischen Gegenden wie etwa der Amazonasmetropole Manaus.

Vor der Ansichtskarten-Kulisse sei mit der Aktion reproduziert worden, «was wir auf unseren Friedhöfen sehen», sagte der Vorsitzende der Organisation Rio de Paz, Antônio Carlos Costa, der Nachrichtenagentur AFP.

Appell an Bolsonaro

Costa appellierte an Bolsonaro, seine Haltung zu der Pandemie zu ändern. Der Staatschef müsse verstehen, dass «unsere Nation mit dem schwierigsten Moment ihrer Geschichte konfrontiert ist».

Bolsonaro hatte in der Vergangenheit die vom Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 als blosse «kleine Grippe» bezeichnet. Die von brasilianischen Bundesstaaten verhängten Corona-Restriktionen prangert er wegen ihres drosselnden Effekts auf die Wirtschaft an.

Weiterer Anstieg der Todesfälle

Die Zahl der verzeichneten Todesfälle durch Covid-19 überschritt am Donnerstag in Brasilien die Schwelle von 40'000. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden innerhalb von 24 Stunden weitere 1239 Corona-Tote gezählt, womit die Gesamtzahl auf 40'919 stieg. Die Zahl der registrierten Infektionen im bevölkerungsreichsten und grössten lateinamerikanischen Land lag bei etwa 802'800.

Brasilien ist eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder der Welt. In der Zahl der registrierten Infektionsfälle liegt es weltweit hinter den USA auf dem zweiten Platz, in der offiziellen Zahl der Todesfälle hinter den Vereinigten Staaten und Grossbritannien auf dem dritten Platz. Experten gehen allerdings davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen in Brasilien deutlich höher sind, da in dem Land relativ wenig auf das Coronavirus getestet wird.