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Ai Wei Wei macht Chinas Regierung zehn Jahre nach Erdbeben Vorwürfe

Zehn Jahre nach dem verheerenden Erdbeben in der chinesischen Provinz Sichuan mit zehntausenden Toten hat der Künstler und Dissident Ai Wei Wei schwere Vorwürfe gegen die Regierung in Peking erhoben. Diese verweigere nach wie vor eine aufrichtige Bestandsaufnahme.
Trauernder auf den Trümmern einer beim Beben vor zehn Jahren in Sichuan zerstörten Schule. (Bild: KEYSTONE/AP/David Guttenfelder)

Trauernder auf den Trümmern einer beim Beben vor zehn Jahren in Sichuan zerstörten Schule. (Bild: KEYSTONE/AP/David Guttenfelder)

(sda/afp)

"Wir werden niemals eine ehrliche Antwort bekommen", sagte Ai Wei Wei der Nachrichtenagentur AFP in seinem Berliner Atelier. Die Regierung verschleiere insbesondere die wahre Zahl der getöteten Kinder aus Schulen, die wegen Baumängeln und Schlamperei bei den Sicherheitsbestimmungen eingestürzt waren, sagte Ai.

Die Regierung habe aus der Tragödie nichts gelernt: Bei einer neuen Katastrophe "wird sie nichts anders machen", prophezeite der Dissident. "Sie kann sich nicht ändern. Sobald sie die Wahrheit sagen würde, würde sie ihre eigene Existenz verspielen. Das Verschleiern der Wahrheit ist Grundvoraussetzung für die Existenz eines autoritären Regimes."

Die Zahl der Toten und Vermissten nach dem schweren Erdbeben in Sichuan übersteigt 80.000. Mehr als 7000 Schulen waren damals beschädigt worden oder eingestürzt, die hohe Zahl an Opfern unter Schülern hatte zu Protesten in der Bevölkerung geführt.

Keine Liste

Die Regierung liess sich gut ein Jahr Zeit, bis sie die offizielle Zahl der getöteten Schüler schliesslich mit 5335 angab. Diese Zahl wird weithin als zu niedrig angezweifelt. Eine Liste mit den Namen der getöteten Kinder wurde nie veröffentlicht. Auf Druck der Bevölkerung kündigten die Behörden eine Untersuchung zu Baumängeln an Schulen an. Deren Ergebnisse wurden nie vorgelegt.

Ai Wei Wei war nach dem Beben nach Sichuan gereist, um Überlebenden zu helfen und der Frage der Baumängel an Schulen nachzugehen. Die Behörden reagierten mit scharfer Repression.

Er wurde von der Polizei geschlagen, im Jahr 2011 wurde er für 81 Tage inhaftiert, sein Reisepass wurde ihm für vier Jahre abgenommen. Als Peking ihm seinen Pass im Juli 2015 zurück gab, kam Ai nach Berlin, wo er seither lebt.

Das Erdbeben in Sichuan hatte ihn zu einer Installation inspiriert, die bei einer Ausstellung in München gezeigt wurde. Sie bestand aus 9000 Schülerrucksäcken. Der Titel des Werks lautete: "Sie hat sieben Jahre lang glücklich auf dieser Welt gelebt." Es handelt sich um das Zitat einer Mutter, die bei dem Beben ihre Tochter verloren hatte.

In China war am Samstag an einer damals eingestürzten Schule in Yingxiu eine Gedenkzeremonie angesetzt worden. Das zerstörte Schulgebäude ist heute ein Mahnmal, eine riesige Uhr erinnert an den Tag und die Uhrzeit, zu der die Region von dem starken Beben erschüttert wurde.

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