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Angriffe auf Tanker am Golf: Iran nennt US-Vorwürfe lächerlich

Nach den mutmasslichen Angriffen auf zwei Tanker im Golf von Oman hat der Iran jegliche Verantwortung von sich gewiesen. Die von US-Aussenminister Mike Pompeo vorgebrachte Beschuldigung, sei «lächerlich, gleichzeitig aber auch besorgniserregend und gefährlich.»
Die Islamische Republik Iran hat am Donnerstag in New York jegliche Verantwortung im Zusammenhang mit den Angriffen auf Öltanker im Golf von Oman von sich gewiesen. (Bild: KEYSTONE/AP Iranian Students' News Agency, ISNA)

Die Islamische Republik Iran hat am Donnerstag in New York jegliche Verantwortung im Zusammenhang mit den Angriffen auf Öltanker im Golf von Oman von sich gewiesen. (Bild: KEYSTONE/AP Iranian Students' News Agency, ISNA)

(sda/dpa)

Das sagte Aussenamtssprecher Abbas Mussawi am Freitag laut der staatlichen Agentur Irna. Anstatt grundlose Unterstellungen zu verbreiten, sollte man eher herausfinden, wer von solchen Krisen am Golf am meisten profitiere.

Irans Präsident Hassan Ruhani bezeichnete die USA als «schwere Bedrohung für die Stabilität» in der Region und in der Welt. Die US-Regierung habe in den vergangenen zwei Jahren eine «aggressive Herangehensweise» gezeigt und «alle internationalen Regeln» verletzt, sagte Ruhani.

Die genauen Umstände der schweren Zwischenfälle am Vortag blieben zunächst weiter mysteriös. Der japanische Betreiber eines der Schiffe bestritt, dass der Tanker von einem Torpedo getroffen wurde. Es habe zwei Angriffe im Abstand von einigen Stunden gegeben, sagte der Präsident der Firma Kokuka Sangyo in Tokio.

«Fliegendes Objekt» gesehen

Die Crew der «Kokuka Courageous» habe vor der zweiten Explosion ein «fliegendes Objekt» gesehen, das auf sie zugesteuert sei, erklärte er weiter. Am Donnerstag hatte er zunächst mitgeteilt, der Tanker sei von «einer Art Granate» angegriffen worden.

Das Schiff hat Methanol geladen und wird von der deutschen Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) gemanagt. Die 21-köpfige Crew sei auf den Tanker zurückgekehrt, teilte BSM in Singapur mit. Das Schiff soll nun in den Hafen Chaur Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emriaten geschleppt werden.

Bei den Zwischenfällen nahe der Küste des Irans waren am frühen Donnerstagmorgen zwei Tanker beschädigt worden. Das zweite der beiden Schiffe, die «Front Altair» einer norwegischen Reederei, geriet nach Explosionen in Brand. Die norwegische Seefahrtsbehörde sprach von einem Angriff, was die Reederei zunächst nicht bestätigte.

Gegenseitige Eskalations-Vorwürfe

Die USA beschuldigten den Iran, hinter den mutmasslichen Angriffen zu stecken. Es handle sich um eine «nicht hinnehmbare Eskalation der Spannung durch den Iran», sagte US-Aussenminister Mike Pompeo. Dem Iran gehe es darum, die Aufhebung der US-Sanktionen zu erzwingen.

Irans Aussenminister Mohammed Dschawad Sarif warf den USA seinerseits vor, die Öltanker-Vorfälle als Vorwand zu nehmen. «Mit einem Fetzen an Indizien haben die USA sofort den Iran beschuldigt ... damit ist klar, dass das amerikanischen B-Team auf Plan B und auf Sabotage-Diplomatie umgeschaltet hat», schrieb Sarif auf Twitter.

Mit dem B-Team meint Sarif die Mannschaft von US-Sicherheitsberater John Bolton, der nach Ansicht Teherans einen Regimewechsel im Iran plant und dafür sogar einen militärischen Konflikt provozieren würde. Schon zuvor hatte der Iran angedeutet, dass die USA und ihre Alliierten selber für die Angriffe verantwortlich sein könnten und sie nun Teheran in die Schuhe schieben wollten.

Angebliches Beweisvideo

Saudi-Arabien verurteilte die Angriffe und sprach von «Terroroperationen». Das sunnitische Königreich sieht im schiitischen Iran einen Erzfeind und verschärft seit Wochen den Ton gegenüber Teheran. Es wirft dem Iran vor, sich in die Angelegenheiten arabischer Länder einzumischen und die Region zu destabilisieren.

Riads Verbündeter USA hatte im vergangenen Jahr das Iran-Atomabkommen mit dem Iran einseitig gekündigt. Die US-Regierung will den Druck auf den Iran mit Wirtschaftssanktionen erhöhen. Der Iran weist die Vorwürfe zurück. Gegenseitige Beschuldigungen liessen schon vor den neuen Vorfällen die Sorgen vor einem militärischen Konflikt in der Region steigen.

Die betroffene Meerenge, die Strasse von Hormus, ist eine der wichtigsten Seestrassen überhaupt. Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein grosser Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Die Ölpreise legten am Freitag zu und knüpften damit an den starken Anstieg vom Vortag an.

Das US-Militär veröffentlichte ein Video, das die iranischen Revolutionsgarden belasten soll. Das US-Zentralkommando Centcom erklärte, das Video zeige, wie ein Boot der Revolutionsgarden auf den Tanker «Kokuka Courageous» zufahre.

Die Menschen an Bord des iranischen Schnellbootes vom Typ «Gaschti» seien dabei «beobachtet und aufgenommen» worden, wie sie am Donnerstagnachmittag - also nach den Vorfällen - eine nicht explodierte Haftmine wieder vom Schiffskörper entfernten.

Aufrufe zur Zurückhaltung

Kuwaits Uno-Botschafter Mansur al-Otaibi sagte nach einem Treffen des Uno-Sicherheitsrats, Beweise für die Anschuldigungen der USA seien nicht diskutiert worden.

Die Uno-Vetomacht China rief alle Parteien zur Zurückhaltung auf. «Wir alle wollen keinen Krieg in der Golfregion», sagte Aussenamtssprecher Geng Shuang am Freitag in Peking. China sei besorgt über die jüngsten Spannungen im Nahen Osten.

Alle Parteien sollten ihre Differenzen durch Dialog lösen und Frieden und Stabilität sichern. Die Sicherheit der Schifffahrt in den betreffenden Seegebieten müsse gewahrt werden.

Der türkische Aussenminister Mevlüt Cavusoglu sprach von besorgniserregenden Vorfällen, warnte aber zugleich vor überhasteten Reaktionen «Das muss ernsthaft untersucht werden», sagte er der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu.

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