Anklage beantragt lebenslange Haft wegen Anschlags auf BVB-Bus

Rund eineinhalb Jahre nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den mutmasslichen Attentäter gefordert.

Drucken
Teilen
Der Angeklagte Sergej W. (M) steht im Gerichtssaal des Landgerichts neben seinem Anwalt Carl Heydenreich (r). Seit elf Monaten verhandelt das Dortmunder Schwurgericht um den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund. Nun beginnt mit den Plädoyers die entscheidende Phase des Prozesses. (Bild: Keystone/DPA/BERND THISSEN)

Der Angeklagte Sergej W. (M) steht im Gerichtssaal des Landgerichts neben seinem Anwalt Carl Heydenreich (r). Seit elf Monaten verhandelt das Dortmunder Schwurgericht um den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund. Nun beginnt mit den Plädoyers die entscheidende Phase des Prozesses. (Bild: Keystone/DPA/BERND THISSEN)

(sda/afp)

In ihrem Plädoyer vor dem Dortmunder Landgericht legte die Anklage dem Beschuldigten Sergej W. am Montag unter anderem Mordversuch in fast 30 Fällen zur Last, wie ein Gerichtssprecher mitteilte. Mit dem Urteil wird am Dienstag kommender Woche gerechnet.

W. soll vor dem Anschlag auf einen wegen des Attentats fallenden Kurs der Aktie von Borussia Dortmund gewettet haben. Neben Mordversuchs wirft ihm die Staatsanwaltschaft das Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion und zweifache gefährliche Körperverletzung vor. Der Angeklagte hatte die Tat vor Gericht eingeräumt, aber eine Tötungsabsicht mit Nachdruck bestritten.

Mit Tötungsvorsatz gehandelt

Dagegen gelangte die Staatsanwaltschaft in der knapp einjährigen Hauptverhandlung zu der Überzeugung, W. habe mit Tötungsvorsatz gehandelt und dabei die drei Mordmerkmale Habgier, Heimtücke und Begehung der Tat mit gemeingefährlichen Mitteln erfüllt. Die Nebenklagevertreter in dem Dortmunder Verfahren schlossen sich der Strafmassforderung der Anklage an, wie der Gerichtssprecher weiter mitteilte.

Das Attentat vom 11. April 2017 unmittelbar vor einem Champions-League-Heimspiel des Dortmunder Fussballbundesligisten hatte Entsetzen hervorgerufen. W. soll in einer Hecke unweit des BVB-Mannschaftshotels drei mit Metallstiften gefüllte Sprengsätze deponiert haben.

Als sich das Team im Bus auf den Weg zur Partie gegen den AS Monaco machen wollte, soll er die Sprengsätze aus der Ferne gezündet haben. Durch die Explosion zog sich der Dortmunder Defensivspieler Marc Bartra eine schwere Unterarmverletzung zu, ein dem Bus voranfahrender Motorradpolizist erlitt ein Knalltrauma.