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Auch Kinder unter 49 Todesopfern des Attentats von Christchurch

Bei dem Mordanschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland hat der mutmasslich rechtsextremistische Täter auch mehrere Kinder getötet. Dies teilte Premierministerin Jacinda Ardern am Samstag bei einem Besuch in der Stadt Christchurch mit.
Blumen, Briefe und Zeichnungen erinnern an die Todesopfer des Moschee-Attentats von Christchurch. (Bild: KEYSTONE/AP/VINCENT THIAN)

Blumen, Briefe und Zeichnungen erinnern an die Todesopfer des Moschee-Attentats von Christchurch. (Bild: KEYSTONE/AP/VINCENT THIAN)

(sda/dpa)

Einen Tag nach der Tat machte sie sich vor Ort ein Bild von der Lage. Insgesamt 39 Menschen lagen noch mit Schusswunden in verschiedenen Spitälern der neuseeländischen Grossstadt. Elf davon befanden sich in Intensivbehandlung.

Ardern kam auch mit Vertretern der muslimischen Gemeinschaft zusammen. Vermutet wird, dass es sich bei allen 49 Todesopfern um Muslime handelt. Mit etwa 50'000 Gläubigen - darunter viele Einwanderer aus Staaten wie Pakistan und Bangladesch - sind Muslime in Neuseeland eine Minderheit.

Unter den Todesopfern des Attentats sind auch Flüchtlinge, die erst vor kurzem aus Ländern wie Syrien nach Neuseeland gekommen waren. Beim Besuch eines Flüchtlingsheims mit Muslimen sagte Ardern: «Neuseeland ist in Trauer vereint.» Abermals sprach sie von einem «terroristischen Akt». Der Pazifikstaat mit knapp fünf Millionen Einwohnern war bislang von Terrorismus und Amokläufen weitgehend verschont geblieben.

Lasche Waffengesetze

Als Konsequenz aus dem Anschlag verschärft die neuseeländische Regierung das Waffenrecht. «Unsere Waffengesetze werden sich ändern», kündigte Ardern an.

In dem Pazifikstaat darf man bislang nach einer Überprüfung durch die Behörden schon mit 16 Jahren Waffen besitzen. Dazu benötigt man einen Waffenschein, muss die Waffen aber nicht alle einzeln anmelden.

Der mutmassliche Täter, ein seit mehreren Jahren in Neuseeland lebender Australier, hatte einen Waffenschein. Er war auch Mitglied in einem Schützenverein.

Verdächtiger vor Gericht

Dem 28-Jährigen wird vielfacher Mord zur Last gelegt. Er sitzt nun in einem Untersuchungsgefängnis. Bei einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen scheint er die Schüsse in den Moscheen alleine abgefeuert zu haben.

Zum Gerichtstermin wurde der mutmassliche Täter in Handschellen und weisser Häftlingskleidung vorgeführt. Dabei zeigte er das «Okay»-Zeichen in die Kameras, wie es in der englischsprachigen Welt verbreitet ist: Daumen und Zeigefinger zusammengehalten, die anderen Finger abgespreizt.

Nach neuseeländischen Medienberichten äusserte er sich zu den Vorwürfen nicht. Am 5. April soll es den nächsten Gerichtstermin geben.

Manipulierte Schnellfeuerwaffen

Christchurch steht immer noch unter Schock. In der Nähe der Tatorte legten viele Menschen Blumen nieder und zündeten Kerzen an. Insgesamt war es in der Stadt jedoch viel ruhiger als an normalen Samstagen. Viele Geschäfte blieben geschlossen.

Nach bisherigem Ermittlungsstand drang der Täter zunächst in die Al-Nur-Moschee ein, in der sich mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten. Dort schoss er mit mindestens zwei Schnellfeuerwaffen um sich und tötete 41 Menschen. Ardern zufolge hatte er die Waffen manipuliert, um die Schusskraft zu erhöhen.

Anschliessend fuhr er zu einer zweiten Moschee und brachte acht weitere Menschen um. Mit einer Helmkamera filmte er die Tat und übertrug sie live ins Internet. Das Video davon ist 17 Minuten lang.

Weitere Gewalttaten geplant

Der Premierministerin zufolge wollte der Schütze dann auch noch anderswo morden. «Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen», sagte Ardern.

Nachdem er die zweite Moschee verlassen hatte, sei er aber in seinem Auto von der Polizei gestoppt worden. Dort wurden auch zwei weitere Feuerwaffen und Sprengstoff sichergestellt.

Nach Angaben der Polizei vergingen vom ersten Alarm bis zur Festnahme 36 Minuten. Unklar blieb, ob zwei andere Verdächtige, die ebenfalls schon am Freitag festgenommen wurden, mit dem Australier in Kontakt standen.

Im Internet kursiert auch ein 74-seitiges «Manifest» mit rechtsextremen Parolen, das von dem Australier stammen soll. Die Ermittler bestätigten bislang allerdings nicht, dass er tatsächlich der Urheber des Schreibens ist.

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