Aus Schweizer Sicht: Budgets von Horizon und Erasmus von Interesse

Die EU-Chefs diskutieren ab Freitag über den EU-Finanzrahmen und den Wiederaufbaufonds. Aus Schweizer Sicht interessieren vor allem die Budgets zu den Forschungs-und Bildungsprogrammen «Horizon Europe» und «Erasmus+».

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Universitäten schlagen Alarm: Sie kritisieren die von EU-Ratspräsident Charles Michel vorgeschlagenen Budgets-Kürzungen für die künftigen Forschungs- und Bildungsprogramme «Horizon Europe» und «Erasmus+».

Universitäten schlagen Alarm: Sie kritisieren die von EU-Ratspräsident Charles Michel vorgeschlagenen Budgets-Kürzungen für die künftigen Forschungs- und Bildungsprogramme «Horizon Europe» und «Erasmus+».

KEYSTONE/APA/HELMUT FOHRINGER
(sda)

«Was ist das für ein schwacher EU-Ratspräsident», schrieb Kurt Deketelaere, Generalsekretär der «Liga Europäischer Forschungsuniversitäten», letzten Freitag auf Twitter. Er ärgerte sich über den Vorschlag von EU-Ratspräsident Charles Michel zum siebenjährigen Finanzrahmen (2021-2027).

Denn dieser sieht für das neue EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe» 89,4 Milliarden Euro vor. Das ist eine Kürzung von fünf Milliarden Euro gegenüber dem Vorschlag der EU-Kommission. Das EU-Parlament hatte gar 120 Milliarden vorgeschlagen.

Die Schweiz beteiligt sich am aktuellen, knapp 77-Milliarden-Euro schweren Forschungsprogramm «Horizon 2020» - vor allem im Bereich Spitzenforschung ist sie sehr erfolgreich. Auch am Nachfolgeprogramm «Horizon Europe» möchte sie teilnehmen.

Der für Spitzenforschung verantwortliche Europäische Forschungsrat zeigte sich entsprechend besorgt über den Vorschlag Michels. Sein Leitungsgremium schrieb in einer Mitteilung: «Sollte man sich auf diese Zahl einigen, würde erstmals das Kernbudget für Forschung und Innovation der EU real überhaupt nicht erhöht werden.»

Rotstift auch bei «Erasmus+»

Wie die klaren Worte aus Forscherkreisen zeigen, ist der Verteilkampf von EU-Geldern dieses Mal besonders hart: Nicht nur fehlt wegen des Brexit der Nettozahler Grossbritannien, auch hat die Corona-Pandemie grosse Löcher in die Staatskassen geschlagen.

Auch beim neuen EU-Bildungsprogramm «Erasmus+» setzte Michel den Rotstift an: Während die EU-Kommission 24,6 Milliarden Euro vorschlug, kürzte er auf 21,2 Milliarden.

Das EU-Parlament hatte rund 41 Milliarden vorgeschlagen, da das «Erasmus+»-Programm neue Aufgaben übernehmen soll - etwa die Initiative «Europäische Hochschulen», die aktuell als Pilotprojekt läuft und dem Vernehmen nach sehr erfolgreich ist.

Universitäten schlagen Alarm

Laut Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) haben Schweizer Universitäten grossen Interesse an dieser Hochschul-Initiative.

Anders als bei Horizon ist die Schweiz aktuell aber nicht mehr an Erasmus assoziiert. Mittlerweile haben jedoch bereits einige technische Gesprächen zu «Erasmus+» stattgefunden, es gibt aber noch kein Verhandlungsmandat.

Angesichts der Kürzungen bei «Horizon Europe» und «Erasmus+» fordern nun 15 Universitätsvereinigungen, die auch Universitäten aus der Schweiz repräsentieren, in einer Erklärung die EU-Chefs dazu auf, die Budgets für Forschung, Innovation und Bildung zu erhöhen. «Mehr als alles andere hat die Covid-19-Pandemie den Wert von Spitzenforschung, Innovation und Bildung aufgezeigt.»