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Australischer Kardinal Pell wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Der australische Kardinal und Vatikan-Finanzchef George Pell ist wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Dies sagten Gerichtsvertreter am Dienstag in der australischen Stadt Melbourne.
Der australische Kardinal George Pell ist in Melbourne des sexuellen Missbrauchs von Chorknaben für schuldig befunden worden. (Bild: KEYSTONE/AP/ANDY BROWNBILL)

Der australische Kardinal George Pell ist in Melbourne des sexuellen Missbrauchs von Chorknaben für schuldig befunden worden. (Bild: KEYSTONE/AP/ANDY BROWNBILL)

(sda/afp/dpa)

Der 77-Jährige wurde demnach schuldig gesprochen, in den 1990er Jahren zwei Chorknaben in der Saint Patrick's Kathedrale in Melbourne missbraucht oder sexuell angegriffen zu haben. Die Opfer seien damals 12 und 13 Jahre alt gewesen. Die Fälle gingen auf die Jahre 1996 und 1997 zurück, als Pell gerade Erzbischof von Melbourne geworden sei.

Pell ist der ranghöchste katholische Geistliche weltweit, der wegen Missbrauchsvorwürfen verurteilt wurde. Ein Strafmass wurde noch nicht verkündet. Pell drohen insgesamt bis zu 50 Jahre Haft. Über seine Anwälte wies er am Dienstag nochmals alle Vorwürfe zurück.

Sein Anwalt will nunmehr Berufung gegen den Entscheid einlegen. Das Urteil gegen den 77-Jährigen war bereits im Dezember gefallen - aber auf Anordnung des Gerichts aber bisher unter Verschluss gehalten worden.

Aufhebung des Maulkorbs

Hintergrund für die Geheimhaltung war ein geplanter weiterer Prozess zu anderen Vorwürfen gegen Pell. Mit dem Verbot jeglicher Berichterstattung über den im Dezember abgeschlossenen Prozess sollte verhindert werden, dass das noch laufende Verfahren beeinflusst wird.

Die Staatsanwaltschaft entschloss sich aber am Dienstag, das zweite Verfahren nicht weiter zu verfolgen. In der Folge wurde das Verbot einer Berichterstattung über die Verurteilung vom Dezember aufgehoben.

Pell war am Dienstag bei dem Gerichtstermin zum möglichen zweiten Strafprozess in Melbourne anwesend. Beim Verlassen des Gerichtsgebäudes riefen einige Demonstranten «Monster» und «verrotte in der Hölle». Ein Mann, der in seiner Kindheit nach eigenen Angaben missbraucht worden war, bezeichnete den Schuldspruch gegen den Kardinal als Wunder.

Von den beiden mutmasslichen Missbrauchsopfern im Fall Pell starb eines im Jahr 2014. Der andere Mann äusserte sich am Dienstag schriftlich und erklärte, für ihn sei der Fall «noch nicht vorbei».

«Wie viele Überlebende habe ich Scham, Einsamkeit, Depressionen und Kämpfe erlebt. Wie bei vielen Überlebenden hat es Jahre gedauert, bis ich die Auswirkungen auf mein Leben verstanden habe.» Er habe jemandem vertraut, den er hätte fürchten müssen - und habe sich später vor Menschen gefürchtet, denen er hätte vertrauen müssen.

Hiobsbotschaft für Vatikan

Für Papst Franziskus ist die Verurteilung Pells kurz nach dem grossen Anti-Missbrauchsgipfel im Vatikan eine weitere Hiobsbotschaft. Der Kardinal war lange Zeit einer der einflussreichsten katholischen Geistlichen. 2003 wurde er in das Kardinalskollegium berufen, das unter anderem den Papst wählt.

2014 machte Papst Franziskus ihn zum Finanzchef des Vatikans - ein Posten, von dem er wegen der Missbrauchsvorwürfe seit geraumer Zeit beurlaubt ist. Pell gehörte auch dem sogenannten C9-Kardinalsrat an, einem Beratergremium von Papst Franziskus. Er wurde aber im vergangenen Jahr ausgeschlossen.

Mit möglichen Konsequenzen in der Sache Pell will der Vatikan warten und verwies auf ein anstehendes Berufungsverfahren. Papstsprecher Alessandro Gisotti erklärte am Dienstag, dass der Vatikan auf das Berufungsverfahren warten werde.

Pell habe «das Recht, sich bis in die letzte Instanz zu verteidigen». Gisotti sprach dennoch von einer «schmerzhaften Nachricht». Bereits verhängte Massnahmen würden weiterhin gelten, sagte Gisotti. Pell dürfe - «bis die Fakten definitiv geklärt sind» - weder sein Priesteramt öffentlich ausüben noch Kontakt mit Minderjährigen haben.

Die katholische Kirche steht wegen Missbrauchsvorwürfen in zahlreichen Ländern unter Druck. Zum Abschluss eines Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan hatte Papst Franziskus am Sonntag versprochen, dass solche Fälle nicht länger vertuscht würden. In der Kritik kam der Pontifex allerdings, weil der Abschluss des Treffens mit den Spitzen der katholischen Kirche recht vage blieb.

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