«Beharrlichkeit» und Helis auf der Suche nach Spuren auf dem Mars

Bei der Suche nach Spuren von Leben auf dem Mars schlägt die US-Raumfahrtbehörde Nasa ein neues Kapitel auf: Am Donnerstag macht sich eine Trägerrakete mit dem bisher cleversten Marsrover der Nasa auf den langen Weg zum Roten Planeten.

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Alexander Mather aus Burke, Virginia, wird die Marsmission wohl besonders gespannt verfolgen. Er hat dem Rover (hier ein Modell) im Rahmen eines Wettbewerbs den Namen «Perseverance» gegeben.

Alexander Mather aus Burke, Virginia, wird die Marsmission wohl besonders gespannt verfolgen. Er hat dem Rover (hier ein Modell) im Rahmen eines Wettbewerbs den Namen «Perseverance» gegeben.

Keystone/AP/JOHN RAOUX
(sda/afp)

Dort will sie zwei Jahre lang Gesteins- und Bodenproben sammeln. Im Jahr 2031 sollen die Proben dann bei einer späteren Mission zur Erde gebracht werden - eine Premiere in der Geschichte der Erkundung des Mars.

Der Start der Rakete vom Typ Atlas V mit dem Rover «Perseverance» ("Beharrlichkeit») vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ist für Donnerstagmorgen 7.50 Uhr Ortszeit (13.50 Uhr MESZ) geplant. Nach siebenmonatiger Reise soll der Rover am 18. Februar 2021 auf dem Mars landen und mindestens für ein ganzes Mars-Jahr - 687 Tage auf der Erde - den Roten Planeten erkunden.

«Perseverance» ist bereits der fünfte US-Rover auf dem Mars und der bisher technisch anspruchsvollste: Das etwa SUV-grosse und über eine Tonne schwere Fahrzeug ist mit Mikrophonen, einem zwei Meter langen Roboterarm, rund 20 Kameras sowie einem Laser-Spektrometer zur Untersuchung der Geochemie von Gestein und Bodenbeschaffenheit in seiner Umgebung ausgerüstet - sowie mit einem 1,8 Kilogramm schweren Mini-Helikopter. Die Nasa hofft, dass dieser tatsächlich als erster seiner Art auf einem anderen Planeten fliegen wird.

Vorsichtshalber wird einfach mal eingepackt

«Perseverance» wird auf dem Krater Jezero landen, einem früheren Flussdelta, das vor drei bis vier Milliarden Jahren vermutlich in einen See mündete. «Jezero beherbergt eines der besterhaltenen Deltas auf der Mars-Oberfläche», sagt die Nasa-Wissenschaftlerin Katie Stack Morgan.

Wissenschaftler halten es für möglich, dass die Flüsse organische Moleküle oder andere potenzielle Anzeichen mikrobiellen Lebens, vielleicht sogar Mikroorganismen, mit sich führten. Spuren dieses früheren Lebens könnten in den Ablagerungen des Flussdeltas oder den See-Sedimenten von Jezero konserviert sein und sich heute dort finden lassen.

Möglicherweise wird «Perseverance» nicht in der Lage sein, von alleine zu bestimmen, ob Felsgestein tatsächlich Spuren alter Mikroorganismen enthält. Deshalb sollen die von ihm gesammelten Proben frühestens in zehn Jahren von einer Nachfolgemission auf die Erde zurückgebracht und analysiert werden.

«Beharrlichkeit» trifft vielleicht auf «Neugier»

Die USA sind bislang die einzige Nation mit erfolgreichen Rovermissionen. Von den vier Vorgängern von «Perseverance» ist heute noch der 2012 auf dem Mars gelandete Rover «Curiosity» aktiv.

Lange Zeit hatte die Wissenschaft das Interesse am Mars verloren, nachdem sich bei ersten US-Landemissionen in den 70er Jahren herausgestellt hatte, dass der Rote Planet unbewohnbar ist. Erst zur Jahrtausendwende fanden Forscher dann heraus, dass einstmals Wasser auf dem Mars geflossen sein muss. Und elf Jahre später entdeckten sie zum ersten Mal eindeutige Hinweise auf flüssiges Wasser.

Damit war das Interesse am Roten Planeten wieder erwacht. Jede neue Mission habe seitdem «mehr und mehr zu Tage gebracht, dass der Mars nicht ganz so tot ist, wie wir dachten», sagt der französische Astrobiologe Michel Viso.

Internationaler Hahnenkampf im Weltall

Die Erforschung des Roten Planeten ist inzwischen auch eine Frage des Prestiges: Am vergangenen Donnerstag startete China seine erste eigene Mars-Mission, um als zweites Land nach den USA einen Rover auf dem Roten Planeten zu betreiben. Wenige Tage zuvor hatten die Vereinigten Arabischen Emirate erfolgreich die erste arabische Mission mit einem Orbiter gestartet.

Alle drei Missionen machen sich zunutze, dass die Entfernung zwischen Erde und Mars mit rund 55 Millionen Kilometern derzeit am geringsten ist. So nah kommt der Rote Planet der Erde nur alle 26 Monate.