Brief an EU - Forscher sorgen sich um europäische Spitzenforschung

Wissenschaftler und Forschen fordern in einem offenen Brief genügend finanzielle Mittel für das künftige EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe», an dem sich auch die Schweiz beteiligen möchte. Grund dafür ist der Streit der EU-Staaten um den EU-Haushalt.

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Wissenschaftler und Forschen appellieren in einem Brief an EU-Spitzenpolitiker, für das EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe» 2021-2027 genügend finanzielle Mittel bereitzustellen. Sie sorgen sich um die europäische Spitzenforschung.

Wissenschaftler und Forschen appellieren in einem Brief an EU-Spitzenpolitiker, für das EU-Forschungsprogramm «Horizon Europe» 2021-2027 genügend finanzielle Mittel bereitzustellen. Sie sorgen sich um die europäische Spitzenforschung.

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER
(sda)

Mit Blick auf die zurzeit laufende Debatte über den siebenjährigen EU-Finanzrahmen, gebe es «wichtige Gründe, Kürzungen in allen Bereichen von «Horizon Europe» zu befürchten, und wir gehen davon aus, dass dies auch den Europäischen Forschungsrat betreffen wird», heisst es in dem Brief.

Dieser wendet sich an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, EU-Ratspräsident Charles Michel sowie EU-Parlamentspräsident David Sassoli und wurde von Wissenschaftlern aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Island, Niederlande Norwegen, Österreich und Schweden unterzeichnet. Zu den Unterzeichnenden gehören auch mehrere Nobelpreisträger.

In Forscherkreisen gilt der prestigeträchtige Europäische Forschungsrat (ERC) als «Champions League», der wichtige Forschungsgelder vergibt. Die Schweiz beteiligt sich am fast 77 Milliarden Euro schweren aktuellen Forschungsprogramm «Horizon 2020» 2014-2020 und damit auch am ERC, bei dessen Ausschreibungen sie äusserst erfolgreich ist. Auch am Nachfolgeprogramm «Horizon Europe» 2021-2027 möchte die Schweiz teilnehmen.

Europäische Erfolgsgeschichte

Der ERC, so die Unterzeichnenden, sei der «Hauptgrund für Europas zunehmende Stärke in der Forschung». Es sei von höchster Wichtigkeit, dass diese Erfolgsgeschichte weiter geführt werden könne.

Daher «bitten wir die EU dringend, die Finanzierung des Europäischen Forschungsrats im mehrjährigen EU-Finanzrahmen zu sichern», fordern die Wissenschaftler.

Hintergrund dieses Appells sind die Verhandlungen zum mehrjährigen Finanzrahmen 2021-2027. Die EU-Staaten streitet sich darüber, ob, wie und wie hoch der durch den EU-Austritt Grossbritanniens fehlende Haushaltsbetrag kompensiert werden soll. Hinzu kommt jetzt auch noch die Corona-Pandemie.

Lücke zwischen Forschungsprogrammen

Vom Finanzrahmen hängen jedoch alle EU-Programme ab - auch «Horizon Europe». Für das neue Forschungsprogramm sieht die EU-Kommission ein Budget von 100 Milliarden Euro vor. Nun befürchten die Forscher, dass die EU-Staaten am Ende aber weniger Mittel als budgetiert sprechen werden.

Hinzu kommt: Wegen der Uneinigkeit der EU-Staaten, könnte es für einen nahtlosen Übergang von «Horizon 2020» zu «Horizon Europe» bereits jetzt schon zu spät sein. Laut Diplomaten ist die EU-Kommission deshalb daran, gewisse Vorkehrungen zu treffen.