Diskussion um US-Polizeigewalt geht nach Beisetzung Floyds weiter

Nach der Trauerfeier für den brutal getöteten Afroamerikaner George Floyd gehen die Diskussionen über Polizeigewalt und Proteste gegen Rassismus in den Vereinigten Staaten weiter.

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dpatopbilder - Der Sarg von George Floyd wird in einer weissen Kutsche auf den Friedhof Houston Memorial Gardens transportiert. Foto: Bob Daemmrich/ZUMA Wire/dpa

dpatopbilder - Der Sarg von George Floyd wird in einer weissen Kutsche auf den Friedhof Houston Memorial Gardens transportiert. Foto: Bob Daemmrich/ZUMA Wire/dpa

Keystone/ZUMA Wire/Bob Daemmrich
(sda/dpa)

Ein Bruder des Getöteten, Philonise Floyd, war am Mittwoch vor den Justizausschuss des Repräsentantenhauses geladen. Auch der Anwalt der Familie, Benjamin Crumb, wollte bei der ersten Anhörung zu Polizeigewalt seit Floyds Tod das Wort ergreifen. Weiterhin gab es landesweit Proteste - allerdings in geringerem Umfang.

Hunderte hatten am Dienstag in einer Kirche in Houston (Texas) mit einer Trauerfeier Abschied genommen. «Wenn wir dich heute zur Ruhe legen, wird die Bewegung nicht ruhen, bis wir Gerechtigkeit bekommen. Bis wir einen Standard an Gerechtigkeit haben», sagte der prominente Bürgerrechtler Al Sharpton. «Wir werden weiter kämpfen.» Er forderte, die Täter zur Verantwortung zu ziehen.

Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden rief mit einer Videobotschaft, die in der Kirche übertragen wurde, zur Überwindung von Rassismus auf. «Wir können die Wunden dieser Nation heilen», sagte der ehemalige Vizepräsident. Zu viele Schwarze in den USA «wachen auf und wissen, dass sie ihr Leben verlieren können, indem sie einfach ihr Leben leben». «Wenn George Floyd Gerechtigkeit erfährt, werden wir wirklich auf unserem Weg zur Rassengerechtigkeit in Amerika sein.»

Biden war am Tag vor der Beisetzung nach Houston gereist, um Familienangehörige von Floyd zu treffen, darunter dessen sechs Jahre alte Tochter Gianna. Für seine Videobotschaft bekam er von der Trauergemeinde viel Applaus. Afroamerikanische Wähler gelten für die Wahl im November als Bidens grösster Rückhalt.

Floyds Tod bei dem Polizeieinsatz vor mehr als zwei Wochen am 25. Mai hat Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land und auch weltweit ausgelöst. Die Proteste dauern an.

Ein weisser Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrückt - trotz dessen wiederholter Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden.

Nach der Trauerfeier in Houston wurde Floyd am Dienstagabend (Ortszeit) in der Nachbarstadt Pearland unter Ausschluss der Öffentlichkeit neben dem Grab seiner Mutter beigesetzt. Der Sarg wurde auf der letzten Meile in einer weissen Pferdekutsche transportiert. Das Eintreffen des Trauerzugs am Friedhof verfolgten zahlreiche Menschen am Strassenrand.

Der Tod Floyds hat nicht nur Grossdemonstrationen ausgelöst, sondern auch eine Debatte über Polizeireformen in den USA. Die Forderung, der Polizei finanzielle Mittel zu entziehen und diese in soziale und andere Projekte zu stecken, findet unter Demonstranten viel Zuspruch. US-Präsident Donald Trump ist strikter Gegner dieser Idee und preist die Polizei bei jeder Gelegenheit.

Auch führende Demokraten wollen die Finanzierung nicht einschränken. «Die bessere Antwort besteht darin, den Polizeibehörden die Ressourcen zur Verfügung zu stellen, die sie für die Umsetzung sinnvoller Reformen benötigen» und weitere Finanzierung von der Umsetzung der Reformen abhängig zu machen, schrieb Biden in einem Meinungsartikel für die Zeitung «USA Today».

Zu den Forderungen gehören unter anderem das Verbot von Würgegriffen, die konsequente Verfolgung von Verbrechen durch Polizisten und verbessertes Training der Beamten in Bezug auf ethnische und religiöse Vorurteile.