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Ein mysteriöses gelbes schleimiges Etwas namens «Blob»

Während anderswo süsse Pandababys für Begeisterung sorgen, ist ein gehirnloser Einzeller im Zoologischen Garten von Paris die neuste Attraktion. «Blob» wird das seltsame Wesen genannt, Wissenschaftler sprechen von Physarum polycephalum oder «vielköpfigem Schleim».
Sieht aus wie verkochter Blumenkohl, ist aber ein zwar gehirnloses, aber ziemlich gelehriges Zootier: Der Blob (zVg Zoo im Bois de Vincennes) (Bild: zVg Zoo im Bois de Vincennes)

Sieht aus wie verkochter Blumenkohl, ist aber ein zwar gehirnloses, aber ziemlich gelehriges Zootier: Der Blob (zVg Zoo im Bois de Vincennes) (Bild: zVg Zoo im Bois de Vincennes)

(sda/afp)

Ab Samstag können sich Besucher im Zoo im Park Bois de Vincennes zum ersten Mal selbst einen Eindruck von dem mysteriösen Wesen verschaffen, das über erstaunliche Fähigkeiten verfügt.

Der Blob sieht aus wie ein gelber glibberiger Fleck, hat weder Augen, Gliedmassen noch einen Magen. Fachleute sind dennoch fasziniert. «Der Blob ist wirklich eines der aussergewöhnlichsten Wesen, die heute auf der Erde leben», sagt Zoo-Direktor Bruno David. «Es gibt ihn seit Millionen Jahren, aber wir wissen immer noch nicht, was er ist - ob Tier, ob Pilz oder etwas dazwischen.»

Der Blob scheint reglos, doch in Wirklichkeit bewegt er sich bis zu einem Zentimeter pro Stunde wenn er sich auf die Suche nach Pilzsporen, Bakterien oder anderer Nahrung macht. «Er hat ein Gedächtnis, kann sein Verhalten anpassen, Probleme lösen, sich in einem Labyrinth bewegen», sagt David. «Er ist ein sehr sonderbares Wesen, ein sonderbares lebendiges Wesen.»

Ein Ausserirdischer?

Eine 2016 veröffentliche Studie beschreibt, dass Blobs, obwohl sie kein zentrales Nervensystem besitzen, aus Erfahrung lernen und ihr Verhalten entsprechend ändern können. Im Labor hatten Wissenschaftler beobachtet, wie der Schleim sich einen neuen Weg zu seiner Nahrung über eine schmale Brücke suchte, nachdem sie ihm den gewohnten Weg durch ein Hindernis versperrt hatten.

Auf seiner Website zählt der Zoo im Bois de Vincennes weitere «überraschende Fähigkeiten» des Blobs auf: «Obwohl er weder Mund, Magen noch Augen hat, kann er Nahrung aufspüren und sie aufnehmen. Schneidet man ihn entzwei, heilt sich der Blob selbst binnen zwei Minuten! Es gibt nicht zwei verschiedene Geschlechter, sondern etwa 720, so dass die Fortpflanzung kein Problem ist.»

Seinen Namen hat Blob vom gleichnamigen Science-Fiction Horrorfilm aus dem Jahr 1958, in dem ein ausserirdisches Wesen auf der Erde einfällt und Menschen verschlingt. Der Blob in der realen Welt besteht aus einer einzigen Zelle, mitunter mit mehreren Zellkernen. Er kann seine DNA reproduzieren und sich teilen.

Nahezu unsterblich

Lange Zeit wurde der Blob den Pilzen zugerechnet. In den 90er Jahren wurde er dann in die Gruppe der Myxogastria oder Echten Schleimpilze einsortiert, unter Untergruppe der Einzeller-Familie Amoebozoa.

Die meisten Exemplare sind gelb, aber es gibt sie auch in rot, weiss und rosa. Ihr Lebensraum sind verrottendes Laub und Baumstümpfe in feuchter, kühler Umgebung.

Für den Betrachter scheint das Schleimwesen zunächst wenig attraktiv. Doch der Pariser Zoo hat eine interaktive Blob-Präsentation vorbereitet. In einem Zeitraffervideo ist zu sehen, wie sich der Blob mittels fingerartiger Ausstülpungen vorwärts bewegt. Das geschieht mit unglaublicher Langsamkeit.

Doch seine Wachstumsgeschwindigkeit ist beeindruckend: Unter idealen Bedingungen verdoppelt sich seine Grösse innerhalb eines Tages. Im Labor wurden bis zu zehn Meter lange Exemplare gezüchtet.

Der Blob ist ausserdem extrem widerstandsfähig. Bei Gefahr versetzt er sich in einen Ruhezustand und trocknet aus. «Er ist nahezu unsterblich», sagt die Blob-Expertin Audrey Dussutour vom französischen Forschungsinstitut CNRS. «Man kann ihn sogar für ein paar Minuten in die die Mikrowelle legen.» Danach ein paar Tropfen Wasser darauf, und schon erwacht der Blob zu neuem Leben.

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