Erdogan lehnt Rücktrittsgesuch seines Innenministers ab

Der türkische Innenminister Süleyman Soylu bleibt trotzt seines erklärten Rücktritts weiter im Amt. Präsident Recep Tayyip Erdogan hat das Gesuch seines Innenministers abgelehnt.

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Der türkische Innenminister Suleyman Soylu (Bildmitte) hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Präsident Recep Tayyip Erdogan lehnte den Rücktritt kurz darauf ab.
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Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat den Rücktritt des Innenministers Suleyman Soylu abgelehnt. Soylu hatte zuvor seinen Rücktritt wegen der Coronavirus-Ausgangssperre bekannt gegeben.

Der türkische Innenminister Suleyman Soylu (Bildmitte) hat seinen Rücktritt bekannt gegeben. Präsident Recep Tayyip Erdogan lehnte den Rücktritt kurz darauf ab.

KEYSTONE/AP/Burhan Ozbilici
(sda/dpa/reuters)

Soylu werde seine Aufgabe weiter ausführen, teilte Erdogans Büro am Sonntagabend mit. Zuvor hatte Soylu wegen einer kurzfristig angekündigten Ausgangssperre angesichts der Corona-Krise und dem anschliessenden Chaos seinen Rücktritt eingereicht.

Volle Verantwortung

Er übernahm in seiner Rücktrittserklärung die volle Verantwortung für die Massnahme. «Ich trenne mich von meinem Innenministeramt, das ich mit Stolz ausgeführt habe», schrieb Soylu. Er bat zudem das türkische Volk und Erdogan, «dem ich bis ans Ende meines Lebens treu sein werde, um Vergebung.

Das Innenministerium hatte am späten Freitagabend kurzfristig eine weitgehende Ausgangssperre wegen der Corona-Krise in 31 Städten beziehungsweise Provinzen verhängt, darunter in den Metropolen Istanbul, Ankara und Izmir. Die Kommunikation der Behörden war scharf kritisiert worden, weil die Massnahme erst zwei Stunden vor Beginn der Frist bekannt wurde und Details der Regelung zunächst unklar waren.

Panikkäufe und Proteste

Am Freitagabend war es deshalb zu Panikkäufen und Menschenansammlungen in den betroffenen Städten gekommen. Kritiker hatten der Regierung vorgeworfen, die Menschen durch den verunglückten Start der Massnahme einer erheblichen Ansteckungsgefahr ausgesetzt zu haben.

Soylu war kurz nach dem Putschversuch vom Juli 2016 zum Innenminister ernannt worden. In dieser Rolle war er verantwortlich für die anschliessende Verhaftungswelle gegen mutmassliche Putschisten. In Teilen der Bevölkerung ist Soylu populär - unter anderem wegen seines harten Kurses gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK. Nach Soylus Rücktrittserklärung hatten zahlreiche Nutzer in den sozialen Medien Erdogan dazu aufgefordert, das Gesuch abzulehnen.

Istanbul im Zentrum der Coronakrise

Die Türkei hatte vor rund einem Monat ihren ersten Coronavirus-Fall gemeldet. Am stärksten betroffen ist nach offiziellen Angaben Istanbul. Gesundheitsminister Fahrettin Koca teilte am Sonntag via Twitter mit, die Zahl der Infizierten sei auf 56 956 gestiegen. In 24 Stunden seien zudem 97 Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Damit stieg die Gesamtzahl der Todesopfer auf 1198. Mehr als 3000 Menschen hätten sich erholt, hiess es.

Die Regierung hat bereits zahlreiche Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus erlassen. Unter anderem gilt eine weitgehende Ausgangssperre für Menschen unter 20 und ab 65 Jahren.