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Erdogan stellt sich hinter Fussballer Özil - Debatte um Integration

Der Rücktritt des deutschen Fussball-Nationalmannschaftsspielers Mesut Özil beschäftigt zunehmend die Politik. Und wieder einmal fühlt sich auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Einmischung in die innenpolitische Debatte in Deutschland berufen.
Immer mit wachsamem Auge auf Feinde der Türkei: Präsident Recep Tayyip Erdogan (Aufnahme aus dem Parlament in Ankara vom 24. Juli 2018). (Bild: KEYSTONE/AP/BURHAN OZBILICI)

Immer mit wachsamem Auge auf Feinde der Türkei: Präsident Recep Tayyip Erdogan (Aufnahme aus dem Parlament in Ankara vom 24. Juli 2018). (Bild: KEYSTONE/AP/BURHAN OZBILICI)

(sda/dpa)

So sicherte Erdogan türkischen Medienberichten vom Dienstag zufolge Özil seine Unterstützung zu. «Eine rassistische Einstellung gegenüber einem jungen Mann, der der deutschen Nationalmannschaft so sehr alles von sich gegeben und zu dessen Erfolg beigetragen hat», sei nicht zu akzeptieren, sagte der türkische Staatschef der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge.

Unterdessen wächst der Druck auf den Deutschen Fussball-Bund (DFB), vor allem auf seinen Präsidenten Reinhard Grindel. Kritik kam etwa aus dem Sportausschuss des Bundestages.

Harsche Kritik am DFB

«Ich glaube, das Krisenmanagement des DFB war in dem konkreten Fall suboptimal», sagte die Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) am Dienstag dem Bayerischen Rundfunk. «Das hätte man an vielerlei Stellschrauben anders und auch besser machen können.»

Özil hatte in seiner Rücktrittserklärung am Sonntag Rassismus-Erfahrungen angeprangert und unter anderem kritisiert, Funktionäre des DFB hätten seine türkischen Wurzeln nicht respektiert.

Erdogan machte bei seinem Telefongespräch mit dem Fussballer mit einem von ihm häufig benutzten Ausdruck deutlich, dass Özil sich zur Türkei bekannt habe. Özils Erklärung und Haltung seien vollkommen «national und regional», sagte Erdogan vor Journalisten in Ankara. «Ich küsse seine Augen.» Rassismus gegen Özil sei nicht zu akzeptieren. Bereits kurz nach Özils Rücktritt am Sonntagabend hatten türkische Regierungspolitiker den Schritt des Spielers begrüsst.

Kritik an Özil von Exil-Türken

Die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisierte derweil den Fussballer für sein Bild mit Erdogan. «Sich mit einem Foto für das politische Regime in der Türkei instrumentalisieren zu lassen, das die Menschenrechte missachtet und mit Füssen tritt, war und ist falsch», teilte der Vorsitzende Gökay Sofuoglu mit.

Doch um dieses Foto gehe es schon lange nicht mehr. Özil würden das Deutschsein und die Zugehörigkeit zu seinem Land abgesprochen. «Das ist der eigentliche Skandal dieser ganzen Debatte.»

Özil und sein Mitspieler in der Nationalmannschaft, Ilkay Gündogan, hatten sich vor der Fussball-Weltmeisterschaft und im türkischen Wahlkampf mit Erdogan fotografieren lassen. Die Bilder zogen in Deutschland heftige Kritik nach sich. Beobachter werfen der türkischen Regierung unter anderem vor, Druck auf die Opposition und Medien auszuüben.

Maas: Kein Indiz für Integrationsfähigkeit

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas rief in der durch Özils Rücktritt losgetretenen Integrationsdebatte zum Kampf gegen Fremdenhass auf. «Unabhängig vom Fall Özil ist völlig klar: Wir müssen uns jeder Form von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sehr entschlossen entgegenstellen», sagte Maas den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwochsausgabe). «Es bleibt eine Aufgabe für uns alle, einzustehen für die Werte, die unser Land ausmachen: Toleranz, Vielfalt und Freiheit.»

Am Montag hatte Maas noch davor gewarnt, vom Fall des Fussballstars Rückschlüsse auf den Stand der Integration von Migranten in Deutschland zu ziehen. «Ich glaube (...) nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland», sagte Maas in Berlin.

AfD: «Integrationslüge»

Der aussenpolitische Sprecher der rechtsnationalistischen AfD-Bundestagsfraktion (Alternative für Deutschland), Armin-Paulus Hampel, teilte mit, man müsse Fussballern wie Özil beinahe dankbar sein: Nichts «hätte die Integrationslüge überzeugender zum Platzen bringen können».

Die Institution der doppelten Staatsbürgerschaft sei krachend gescheitert, sagte Hampel. In Özils Brust könnten keine zwei Herzen schlagen.

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