EuGH-Urteil: Ungarns Hochschulgesetz verstösst gegen EU-Recht

Das ungarische Hochschulgesetz verstösst nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen EU-Recht.

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ARCHIV - Ein Schild vor dem Europäischen Gerichtshof mit der Aufschrift «Cour de Justice de l'union Européene» im Europaviertel auf dem Kirchberg. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa

ARCHIV - Ein Schild vor dem Europäischen Gerichtshof mit der Aufschrift «Cour de Justice de l'union Européene» im Europaviertel auf dem Kirchberg. Foto: Arne Immanuel Bänsch/dpa

Keystone/dpa/Arne Immanuel Bänsch
(sda/dpa)

Das Gesetz, mit dem die von US-Milliardär George Soros gegründete Central European University (CEU) aus Ungarn vertrieben wurde, verletze unter anderem EU-Grundrechte wie die akademische Freiheit, urteilten die Luxemburger Richter am Dienstag (Rechtssache C-66/18).

Das Gesetz der rechtsnationalen Regierung in Budapest sieht vor, dass ausländische Universitäten auch in ihrem Heimatland lehren müssen und der Betrieb von Ungarn vertraglich mit dem Heimatland vereinbart sein muss. Die von Soros gegründete CEU war die einzige Universität aus dem Ausland, die diese neuen Anforderungen von 2017 nicht erfüllte. Ende 2018 verkündete die CEU ihren weitgehenden Umzug nach Wien. Betroffen davon waren Lehrgänge, die US-amerikanische Diplome vergeben - das Kernstück der CEU.

Die EU-Kommission sah durch das Gesetz EU-Recht verletzt und leitete im April 2017 ein sogenanntes Vertragsverletzungsverfahren gegen Budapest ein. Weil Ungarn die Bedenken nicht ausräumte, klagte die Brüsseler Behörde schliesslich vor dem EuGH. Sie argumentierte, das neue Gesetz sei ein Verstoss «gegen die Freiheit von Hochschuleinrichtungen, in der gesamten EU Dienstleistungen anzubieten oder sich niederzulassen».

Zugleich liefen die neuen Vorschriften «dem Recht auf akademische Freiheit, dem Recht auf Bildung und der unternehmerischen Freiheit» zuwider, die in der EU-Grundrechte-Charta verankert sind. Ausserdem würden Verpflichtungen aus dem internationalen Handelsrecht - dem GATS-Abkommen - verletzt. Die Luxemburger Richter gaben der EU-Kommission nun weitgehend Recht. Das GATS-Abkommen werde verletzt und zudem werde gegen EU-Grundrechte wie die akademische Freiheit verstossen.

Kritikern zufolge setzt Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban die Zivilgesellschaft des Landes seit Jahren unter Druck. Den aus Ungarn stammenden Holocaust-Überlebenden Soros hat Orban als Feindbild auserkoren. Er überzieht ihn mit Verleumdungen und antisemitisch konnotierten Anfeindungen.

Das Urteil vom Dienstag ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass das höchste EU-Gericht dem Rechtsnationalen Orban und seiner Regierung Einhalt gebietet. Im Mai erklärte der EuGH, dass grundlegende Teile des ungarischen Asylsystems gegen EU-Recht verstiessen. Im Juni erklärten die Luxemburger Richter das sogenannte NGO-Gesetz von 2017 für rechtswidrig.