Grosser Erfolg für Biden bei Vorwahlen - Bloomberg steigt aus

Joe Bidens Kandidatur war fast schon totgesagt. Nun verbucht der Ex-Vizepräsident spektakuläre Erfolge beim «Super Tuesday». Der Rückzug von Michael Bloomberg dürfte ihm einen weiteren Schub geben - doch das Rennen bleibt offen.

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Der frühere Bürgermeister von New York, der Multimilliardär Michael Bloomberg, gibt seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten auf. Er erklärte seinen Rückzug am Mittwoch und sprach dem Ex-US-Vizepräsidenten Joe Biden offiziell seine Unterstützung aus.

Der frühere Bürgermeister von New York, der Multimilliardär Michael Bloomberg, gibt seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten auf. Er erklärte seinen Rückzug am Mittwoch und sprach dem Ex-US-Vizepräsidenten Joe Biden offiziell seine Unterstützung aus.

KEYSTONE/AP/Lynne Sladky
(sda/dpa/afp/reuters)

Im Wettlauf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten ist dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden ein unverhofftes Comeback gelungen. Nach seiner Siegesserie am «Super Tuesday» dürfte ihm der Abgang von Michael Bloomberg Rückenwind geben. Biden ist wie Bloomberg ein Demokrat aus dem moderaten Lager der Partei.

Nach Prognosen von TV-Sendern gewann Biden (77) beim «Super Tuesday» 10 von 14 Bundesstaaten: Neben dem zweitwichtigsten Bundesstaat Texas auch Alabama, Arkansas, Maine, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee und Virginia.

Sanders liegt in Kalifornien vorn

Bei der wichtigsten Vorwahl im bevölkerungsreichsten Staat Kalifornien lag nach Berechnungen der Sender allerdings Sanders (78) vorne. Sein Wahlkampfteam erklärte ihn dort zum Gewinner.

Auch Fox News prognostizierte in Kalifornien einen Sieg des selbst ernannten «demokratischen Sozialisten». Andere Sender wie CNN zögerten zunächst, das Rennen für entschieden zu erklären. Klarer sah es in Sanders' Heimat Vermont, in Colorado und Utah aus, wo Sanders laut Prognosen siegte.

Offenes Rennen

Nach dem «Super Tuesday» ist weiter offen, welcher Demokrat bei der Wahl im November gegen US-Präsident Donald Trump antreten wird. Das Bewerberfeld dünnte sich mit Bloombergs Abgang weiter aus. Es bestehe für ihn rein rechnerisch keine Chance mehr, sich die Nominierung zu sichern, erklärte Bloomberg.

Der richtige Kandidat sei Biden. Wenn er selbst im Rennen bleibe, würde es das Ziel, Trump zu besiegen, nur erschweren. Biden bedankte sich auf Twitter bei Bloomberg. In dem Rennen gehe es nicht nur um Kandidaten und Politik. «Es geht darum, Donald Trump zu besiegen.» Mit Bloombergs Hilfe werde das gelingen.

Bloomberg enttäuscht

Obwohl Bloomberg Hunderte Millionen US-Dollar seines eigenen Vermögens in den Wahlkampf gesteckt hatte, schnitt der 78-Jährige am Dienstag enttäuschend ab. Er gewann lediglich das Aussengebiet Amerikanisch-Samoa, wo es nur um sechs Delegiertenstimmen ging.

Trump reagierte mit Häme auf Bloombergs Rückzug. «Ich hätte ihm schon vor langer Zeit sagen können, dass er nicht das nötige Zeug dazu hat», schrieb der Präsident auf Twitter. Bloomberg hätte sich mit dem Verzicht auf eine Kandidatur Trump zufolge viel Geld sparen können.

Im Rennen bleiben neben Sanders und Biden noch die chancenlose Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38) und die Senatorin Elizabeth Warren (70). Sie musste eine herbe Niederlage einstecken: Selbst ihren Heimat-Bundesstaat Massachusetts konnte Warren nicht gewinnen.

Nominierungsparteitag im Juli

Beim «Super Tuesday» ging es um insgesamt 1344 Delegiertenstimmen, die beim Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli in Milwaukee (Wisconsin) den Präsidentschaftskandidaten der Partei offiziell bestimmen werden. Alleine in Kalifornien werden 415 Delegiertenstimmen vergeben. In Texas sind es 228.

Nicht alle Delegiertenstimmen gehen an den Sieger in den jeweiligen Bundesstaaten: Sie werden in der Regel unter Kandidaten verteilt, die mehr als 15 Prozent der Stimmen gewinnen konnten.

Für die Nominierung benötigt ein Bewerber beim Parteitag mindestens 1991 der insgesamt 3979 regulären Delegiertenstimmen - mehr als ein Drittel davon war bei den Vorwahlen am Dienstag zu holen. Der «Super Tuesday» war daher der wichtigste Tag bei der Suche nach einem Herausforderer für Amtsinhaber Trump.

Börse reagiert euphorisch

Mit Erleichterung haben Anleger am Mittwoch auf den Sieg des ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden bei den US-Vorwahlen reagiert und der Wall Street kräftige Zuwächse beschert. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 4,5 Prozent höher bei 27'090 Punkten.

«Das ist Musik in den Ohren der Wall Street», sagte Analyst Raffi Boyadjian vom Brokerhaus XM. Von Bidens moderaten Positionen habe sie weniger zu befürchten, als von der Agenda des selbst ernannten Sozialisten Bernie Sanders,

Vor dem «Super Tuesday» hatte Sanders bei den Demokraten nach vier Vorwahlen in Führung gelegen. Auch in nationalen Umfragen stand er an der Spitze. Zuletzt hatte Biden ihn im südlichen Bundesstaat South Carolina allerdings abgehängt.

Support für Biden

Am Abend vor dem «Super Tuesday» hatte Biden zudem einen kräftigen Schub bekommen: Die ausgeschiedenen Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Beto O'Rourke riefen Anhänger dazu auf, seine Kandidatur zu unterstützen.

Bei den Republikanern hat Trump keine ernstzunehmende Konkurrenz. Die Partei verzichtet daher in mehreren Bundesstaaten auf Vorwahlen. Am Dienstag hatten aber auch die Republikaner in 13 der 14 «Super Tuesday»-Staaten Vorwahlen abgehalten. Trump erklärte sich dort überall zum Sieger.

Die Vorwahlen ziehen sich insgesamt noch bis Juni hin, bevor die Nominierungsparteitage der Parteien anstehen. Die Republikaner werden im August formell Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten küren.