Iranische Menschenrechtlerin Sotudeh mit Coronavirus infiziert

Die iranische Menschenrechtlerin Nasrin Sotudeh ist nach Angaben ihres Ehemannes positiv auf das Coronavirus getestet worden. Sie habe sich in der Frauenanstalt Gharchak angesteckt, wohin sie vergangenen Monat verlegt worden war, schrieb Resa Chandan am Mittwoch auf Facebook. In dem Gefängnis südlich der Hauptstadt Teheran seien die hygienischen Zustände katastrophal, so der Ehemann.

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ARCHIV - Die iranische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh, aufgenommen im Mai 2010. ( Foto: Str/dpa

ARCHIV - Die iranische Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Nasrin Sotudeh, aufgenommen im Mai 2010. ( Foto: Str/dpa

Keystone/dpa/Str
(sda/dpa)

In den vergangenen Wochen sind die Corona-Fallzahlen im Iran drastisch gestiegen. Am Dienstag gab es erneut binnen eines Tages über 450 Tote und mehr als 10 000 Neuinfektionen. Seit dem Ausbruch der Pandemie Ende Februar registrierte das Gesundheitsministerium insgesamt fast 40 000 Corona-Tote und über 700 000 Infizierte. Die Regierung musste in mehreren Grossstädten wieder drastische Einschränkungen des öffentlichen Lebens einführen, in der Millionenmetropole Teheran ist gar eine nächtliche Ausgangssperre geplant.

Sotudeh durfte vorige Woche nach über zwei Jahren erstmals in den Hafturlaub. Laut Chandan war der Gesundheitszustand seiner Frau in den vergangenen Wochen besorgniserregend, besonders nach ihrem fast 50-tägigen Hungerstreik. Unter anderem leidet die 57-Jährige an einer Herzschwäche, wegen der sie im September auch fünf Tage in einem Krankenhaus in Teheran behandelt werden musste. Mit dem Hungerstreik wollte die Anwältin und Frauenrechtlerin gegen die Haftbedingungen politischer Gefangener während der Corona-Pandemie protestieren.

Sotudeh wird «staatsfeindliche Propaganda» vorgeworfen. Sie wurde 2018 von einem Revolutionsgericht zu einer Haftstrafe von 33 Jahren und sechs Monaten sowie zu 148 Peitschenhieben verurteilt. Von der Haft muss sie mindestens zwölf Jahre absitzen. Sotudeh hatte vor Gericht alle Vorwürfe gegen sie zurückgewiesen. Sie engagiere sich lediglich friedlich für Frauenrechte und gegen die Todesstrafe im Iran. Sie und ihr Mann gehören zu den renommiertesten Menschenrechtsaktivisten des Landes.