Massendemos in Pakistan: Regierung bietet Opposition Gespräche an

Angesichts von Massenprotesten gegen Ministerpräsident Imran Khan hat Pakistans Regierung der Opposition einen Dialog angeboten, einen Rücktritt des 66-Jährigen aber abgelehnt.

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Tausende in Protestcamps: Anhänger der islamistischen Partei Ulma-e-Islam in Islamabad. (Bild: KEYSTONE/EPA/T. MUGHAL)

Tausende in Protestcamps: Anhänger der islamistischen Partei Ulma-e-Islam in Islamabad. (Bild: KEYSTONE/EPA/T. MUGHAL)

(sda/dpa)

«Unsere Türen stehen für Gespräche offen, ein Rücktritt des Premierministers kommt jedoch nicht infrage», sagte Verteidigungsminister Pervez Khattak am Samstag. Die Regierung sollte nicht für die Konsequenzen verantwortlich gemacht werden, falls es zu Zusammenstössen mit den Sicherheitskräften komme, warnte er zugleich.

Die Zahl der Demonstranten in einem Protestcamp im Zentrum der Hauptstadt Islamabad wurde inzwischen auf mehr als 100'000 geschätzt. Die Sicherheitskräfte waren angesichts möglicher Ausschreitungen in erhöhter Alarmbereitschaft, viele Strassen in der Metropole menschenleer.

Die Opposition kritisiert die schlechte Wirtschaftslage. Aus ihrer Sicht ist die Regierung Khans unrechtmässig an der Macht. Sie wirft dem mächtigen Militär vor, die Parlamentswahl von 2018 manipuliert zu haben, um Khans Partei zum Wahlsieg zu verhelfen.

Die Opposition hatte Khan am Freitag ein Ultimatum gestellt: Sollte er nicht innerhalb von zwei Tagen zurücktreten, werde der Protest auf die nächste Stufe gehoben, sagte der Anführer der Demonstranten, der konservative Kleriker Maulana Fazlur Rehman. Namhafte weitere Oppositionspolitiker und ihre Parteien haben sich dem Protest angeschlossen.

Das Militär hat Pakistan fast die Hälfte der Zeit seit der Unabhängigkeit 1947 regiert. Generäle werden immer wieder beschuldigt, hinter den Kulissen die Fäden zu ziehen, um zivile Regierungen zu beeinflussen oder zu destabilisieren.