Massenproteste im Irak dauern an - Kritik an Sicherheitskräften

Am Freitag haben erneut Hunderttausende Menschen im Irak gegen die Regierung protestiert. Dabei soll nach Angaben von Augenzeugen auf dem zentralen Tahrir-Platz von Bagdad ein Mensch getötet worden sein.

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Auf den Strassen Bagdads demonstrieren erneut Tausende Iraker gegen die politische Elite des Landes. (Bild: Keystone/AP/KHALID MOHAMMED)

Auf den Strassen Bagdads demonstrieren erneut Tausende Iraker gegen die politische Elite des Landes. (Bild: Keystone/AP/KHALID MOHAMMED)

(sda/reu/afp)

Den Berichten zufolge wurde das Opfer von einer Schallgranate der Sicherheitskräfte getroffen. Schallgranaten sollen Menschenmassen auseinandertreiben. Bereits am Donnerstag waren nach Angaben der vom Parlament ernannten Menschenrechtskommission vier Menschen getötet und mindestens 309 verletzt worden. Seit Beginn der Proteste Anfang Oktober starben mehr als 230 Menschen.

Amnesty International kritisierte die irakischen Sicherheitskräfte scharf. Diese setzten zwei bislang nicht verwendete Typen von Tränengasgranaten ein, die eher töteten als Proteste aufzulösen, hiess es in einer Mitteilung der Menschenrechtsorganisation.

Die Granaten seien deutlich schwerer als übliche Tränengasgranaten und führten zu schwersten Verletzungen oder zum Tod, wenn sie direkt auf Demonstranten gefeuert würden. Die irakische Menschenrechtskommission kündigte eine Untersuchung der Vorfälle an.

Seit Anfang Oktober kommt es im Irak zu Massenprotesten gegen die Regierung. Die Menschen fordern Arbeitsplätze und wenden sich gegen die grassierende Korruption in dem ölreichen Land. Auch die Ankündigung von Präsident Barham Salih, wonach Ministerpräsident Adel Abdel Mahdi zum Rücktritt bereit sei, führte nicht zu einer Eindämmung der Proteste.