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Mit Glas voll Kot: Bill Gates will Toilettenrevolution starten

Mit einem Glas voll Kot am Rednerpult hat Microsoft-Gründer Bill Gates in Peking zu einer weltweiten Toilettenrevolution aufgerufen. Wegen fehlender sanitärer Anlagen komme jährlich eine halbe Million Kinder ums Leben.
Mit Kot im Glas hat Microsoft-Gründer in Peking zu einer weltweiten Toilettenrevolution aufgerufen. (Bild: KEYSTONE/AP/MARK SCHIEFELBEIN)

Mit Kot im Glas hat Microsoft-Gründer in Peking zu einer weltweiten Toilettenrevolution aufgerufen. (Bild: KEYSTONE/AP/MARK SCHIEFELBEIN)

(sda/dpa)

Der Mangel an sauberen sanitären Anlagen verursache Krankheiten, an denen jedes Jahr rund eine halbe Million Kinder unter fünf Jahren sterben würden, sagte Gates am Dienstag in der chinesischen Hauptstadt auf einer Messe für innovative Toilettentechnologien, die ohne Kanalisation auskommen.

Den wirtschaftlichen Schaden durch Gesundheitskosten und den Ausfall an Produktivität und Löhnen bezifferte Gates auf 223 Milliarden US-Dollar.

«An Orten ohne sichere sanitäre Anlagen ist viel mehr als in diesem Glas in der Umwelt», sagte Gates und zählte auf, wie viele Bakterien, Viren und Wurmeier in den Exkrementen allein in dem Behälter seien. Sie lösten Krankheiten wie Durchfall, Cholera und Typhus aus.

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung habe keine sauberen Sanitäranlagen, um einem gesunden und produktiven Leben nachzugehen, sagte Gates. Auch bleibe mehr als die Hälfte der menschlichen Hinterlassenschaften unbehandelt.

Bisher 200 Millionen Dollar investiert

In den vergangenen sieben Jahren haben Gates und seine Frau Melinda über ihre Stiftung mehr als 200 Millionen US-Dollar in die technische Entwicklung von Toiletten gesteckt, die kein Wasser zum Spülen und keine Kanalisation brauchen. Die Messe in Peking zeigt neu entwickelte Toiletten, die Exkremente behandeln, schädliche Krankheitserreger beseitigen und Kot in Düngemittel und Wasser umwandeln.

Die Technologien seien erstmals so weit entwickelt, dass sie auch wirtschaftlich zum Einsatz kommen könnten, sagte Gates. «Es ist nicht mehr länger eine Frage, ob wir Toiletten und andere Sanitärsysteme neu erfinden können.» Es sei nur noch die Frage, wie schnell diese sanitärnetz-unabhängigen Lösung im grossen Stil eingesetzt werden könnten.

Die Weltbank, deren Chef Jim Yong Kim an der Messe teilnahm, sowie die Asiatische und die Afrikanische Entwicklungsbank sagten ihre Unterstützung für sein Vorhaben zu.

Grosses Marktpotenzial

Die Unternehmensberater von Boston Consulting schätzen den Markt für diese neuen Toiletten im Jahr 2030 auf jährlich sechs Milliarden US-Dollar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) errechnete, dass jeder in Sanitäranlagen investierte Dollar wiederum 5,50 Dollar einbringe.

«Vor einem Jahrzehnt hätte ich nie gedacht, dass ich so viel über Kot wissen würde», sagte Gates, der zu den reichsten Menschen der Erde zählt. «Und ich habe ganz bestimmt nicht gedacht, dass Melinda mir sagen müsste, dass ich aufhören soll, am Abendbrottisch über Toiletten und Fäkalschlamm zu reden.»

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