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Nach riskanter Rettung läuft «Alan Kurdi» in Italien ein

Rund eine Woche nach einem riskanten Einsatz vor der Küste Libyens ist das deutsche Rettungsschiff «Alan Kurdi» mit 88 Flüchtlingen an Bord in Tarent (Taranto) in Süditalien eingetroffen. Die Geretteten wurden von den Behörden erstversorgt und registriert.

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Ein Flüchtling freut sich über die sichere Ankunft in einem italienischen Hafen. (Bild: Keystone/EPA ANSA/RENATO INGENITO)

Ein Flüchtling freut sich über die sichere Ankunft in einem italienischen Hafen. (Bild: Keystone/EPA ANSA/RENATO INGENITO)

(sda/dpa)

«Wir sind überglücklich, Kapitänin Bärbel Beuse, die Crew und die Geretteten endlich in Sicherheit zu wissen», twitterte die am Sonntag. «Es geht glücklicherweise allen gut. Sie hatten ein grosses Lächeln im Gesicht», sagte die örtliche Sozialstadträtin Gabriella Ficocelli in Tarent.

An Bord seien auch fünf unbegleitete Kinder und eine Frau gewesen. Einer der Geretteten kniete nach der Ausschiffung an Land nieder und küsste den Boden, wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtete.

Nach Angaben von Ansa wollen Deutschland und Frankreich 60 Migranten der «Alan Kurdi» aufnehmen, Portugal 5 und Irland 2. Die restlichen 21 blieben in Italien. EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos dankte den Ländern dafür auf Twitter.

Im sizilianischen Hafen Pozzallo gingen am Sonntag zudem rund 150 Flüchtlinge an Land, die vor Libyen vom italienischen Frachter «Asso Trenta» aufgenommen worden waren. Die von Libyen abgefahrenen Menschen hatten sich an Bord von drei in Seenot geratenen Booten befunden und waren von dem Frachtschiff in internationalen Gewässern in Sicherheit gebracht worden.

Zweites Schiff in Sizilien

Das italienische Innenministerium hatte der «Alan Kurdi» erst am Freitag die Erlaubnis erteilt, in Tarent anzulegen. Nach rund einer Woche auf dem Mittelmeer war die Crew in italienische Hoheitsgewässer eingefahren. Sea-Eye hatte dies mit dem schlechten Wetter begründet.

«Wir sind froh, dass diese schwierige Seeblockade endlich beendet worden ist», sagte See-Eye-Sprecher Gordon Isler. «Sowohl Crew als auch Gerettete waren vor gut einer Woche Opfer eines schweren bewaffneten Überfalls durch eine libysche Miliz», ergänzte er.

Das Schiff hatte die Flüchtlinge am 26. Oktober vor der Küste Libyens aufgenommen. Die Besatzung war Sea Eye zufolge bei der Rettung von einer libyschen Miliz auf See bedroht worden, Maskierte hätten Warnschüsse in die Luft und ins Wasser abgegeben.

«Juristisch einwandfrei»

Die «Alan Kurdi» werde nun den nächsten Einsatz vorbereiten, sagte Isler. Dafür sei mindestens eine Woche Pause notwendig, denn die Crew müsse ausgetauscht werden. Mit rechtlichen Konsequenzen wegen des Einfahrens in italienische Gewässer rechne die Organisation nicht, denn sie habe nicht illegal gehandelt.

«Das war ein juristisch einwandfreies Verhalten», sagte er mit Verweis auf das Seerecht. Dieses erlaube Seeschiffen die freie und friedliche Durchfahrt durch Gewässer von Küstenstaaten. Dies sei erst durch den damaligen Innenminister und Lega-Chef Matteo Salvini infrage gestellt worden.

Viel mehr Tote auf Weg zum Mittelmeer

Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR warnte indes, vermutlich stürben viel mehr Menschen auf dem Weg zum Mittelmeer als bei der Überfahrt selbst. Vermutlich seien es mindestens doppelt so viele, sagte Vincent Cochetel, UNHCR-Beauftragter für die Situation der Flüchtlinge auf der zentralen Mittelmeerroute, der «Welt am Sonntag».

Die Internationale Organisation für Migration (IOM) nennt als Haupttodesursachen auf den Landrouten für 2018 Verkehrsunglücke, gefolgt von Verdursten, Gewalttaten, Verhungern und Krankheiten, wie die Zeitung schrieb.

Im Oktober hatte das UNHCR mitgeteilt, dass bei der Flucht über das Mittelmeer in diesem Jahr bereits mehr als 1000 Menschen ertrunken seien. 2018 hatte das UNHCR 2277 Tote ‎und Vermisste gezählt.‎