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Neuer Flüchtlingsrekord weltweit: 68,5 Millionen Vertriebene

Jedes Jahr sind mehr Menschen vor Krieg, Gewalt und Elend auf der Flucht. Europäer meinen oft, sie seien besonders schwer betroffen. Der Schein trügt aber, sagt der Uno-Flüchtlingshochkommissar.
Die Konfliktparteien im Südsudan nehmen die Lage der Bevölkerung nicht ernst, wie das UNHCR in seinem Flüchtlings-Jahresbericht festhält. (Bild: KEYSTONE/AP/SAM MEDNICK)

Die Konfliktparteien im Südsudan nehmen die Lage der Bevölkerung nicht ernst, wie das UNHCR in seinem Flüchtlings-Jahresbericht festhält. (Bild: KEYSTONE/AP/SAM MEDNICK)

(sda/dpa)

Nie sind in der Welt durch Krisen und Konflikte so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie 2017. Insgesamt waren es Ende des Jahres 68,5 Millionen, 4,6 Prozent mehr als Ende 2016, wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR am Dienstag berichtete. Es ist der fünfte Rekordwert in Folge.

Neu oder zum wiederholten Mal vertrieben wurden allein im Laufe des vergangenen Jahres statistisch gesehen pro Tag fast 44'500 Menschen, insgesamt 16,2 Millionen. Andere sind seit Jahren vor Kriegen, Konflikten, Gewalt und Verfolgung auf der Flucht. Drei von fünf Betroffenen hätten im eigenen Land Zuflucht gefunden, so das UNHCR.

Flüchtlinge sind für das UNHCR alle Menschen, die aus ihrem Land geflohen sind. Es betreute im vergangenen Jahr 19,9 Millionen Flüchtlinge. Um mehr als fünf Millionen palästinensische Flüchtlinge kümmert sich eine eigene Uno-Organisation (UNRWA). Die Zahl der Flüchtlinge wächst nicht nur durch neue Konflikte und Vertreibungen, sondern auch durch Geburten.

Arme Länder besonders betroffen

Die grösste Bürde tragen ärmere Länder, wie UNHCR-Chef Filippo Grandi betont: «Manche Leute glauben, die Flüchtlingskrise sei eine Krise in den reichen Ländern. Das ist nicht der Fall.» 85 Prozent der Flüchtlinge lebten in teils bitterarmen Ländern oder solchen mit niedrigen oder mittleren Einkommen. Er appellierte an die humanitäre Verantwortung reicher Staaten. «Niemand wird freiwillig zum Flüchtling. Aber wir anderen können helfen.»

In keinem Konfliktgebiet sei eine Lösung in Sicht, kritisierte Grandi. Fast 70 Prozent der Flüchtlinge stammen nach Angaben des UNHCR aus fünf Ländern. «Wenn es Lösungen für diese Länder gäbe, könnten die Zahlen deutlich sinken», sagte er. Es handelt sich um Syrien, Afghanistan, den Südsudan, Myanmar und Somalia.

Unter den Flüchtlingen seien mehr als die Hälfte - 52 Prozent - minderjährig, oft handelt es sich um Kinder, die von ihren Familien getrennt wurden. Die USA waren nach Angaben von Grandi mit einem Beitrag von 1,3 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr der grösste Geber des UNHCR. Allerdings hätten sie die Zahl der Plätze für die Umsiedlung von Flüchtlingen von 110'000 auf 45'000 reduziert.

Türkei an der Spitze

Grandi legt grosse Hoffnungen in eine neue weltweite Vereinbarung über den Umgang mit Flüchtlingen und Vertriebenen, die im Herbst bei den Vereinten Nationen in New York verabschiedet werden soll. Dabei geht es unter anderem um mehr Geld für die Bekämpfung der Fluchtursachen.

Kein Land beherbergte 2017 so viele Flüchtlinge wie die Türkei: 3,5 Millionen, überwiegend aus Syrien. Gemessen an der Bevölkerung nahm der Libanon am meisten Flüchtlinge auf, gefolgt von Jordanien und der Türkei.

Fünf Millionen Vertriebene seien im vergangenen Jahr in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Eine permanente neue Heimat fanden nur 100'000 Menschen, 40 Prozent weniger als im Jahr davor. Es seien nicht genügend Plätze angeboten worden, so das UNHCR.

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