Oppositionelle Kolesnikowa in anderes Gefängnis in Belarus verlegt

Vor neuen Protesten in Belarus (Weissrussland) ist die inhaftierte Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa in ein anderes Gefängnis ausserhalb der Hauptstadt Minsk gebracht worden. Die Gründe für die Verlegung nach Schodsina nordöstlich von Minsk hätten die Behörden nicht genannt, teilte die Opposition am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Drucken
Teilen
Maria Kolesnikowa, eine der Oppositionsführerinnen von Belarus (Weissrussland), formt mit ihren Händen auf dem Weg zu einem Untersuchungskomitee ein Herz. Foto: Dmitri Lovetsky/AP/dpa

Maria Kolesnikowa, eine der Oppositionsführerinnen von Belarus (Weissrussland), formt mit ihren Händen auf dem Weg zu einem Untersuchungskomitee ein Herz. Foto: Dmitri Lovetsky/AP/dpa

Keystone/AP/Dmitri Lovetsky
(sda/dpa)

Die 38-Jährige war am Montag in der Hauptstadt entführt und unter Androhung von physischer Gewalt aufgefordert worden, das Land zu verlassen. Sie sollte in die Ukraine abgeschoben werden. Das hatte sie aber vereitelt, in dem sie kurz vor einem Grenzübergang ihren Pass zerrissen hatte. Kolesnikowa ist einer der wichtigsten Oppositionellen in dem Land. Sie lebte lange in Stuttgart.

Für den Nachmittag waren neue Proteste von Frauen geplant. Die Opposition hatte dazu aufgerufen, um dem autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko zu zeigen, dass der Protest nicht verblasse, sondern wachse. Am Mittag waren bereits im Zentrum Gefangenentransporter der Polizei auf den Strasse zu sehen gewesen, offenbar um die Menschen einzuschüchtern. Die Polizei warnte abermals nachdrücklich vor einer Teilnahme. Bereits vor einer Woche hatten sich Tausende Frauen einem Marsch durch Minsk angeschlossen.

Bei Aktionen am Freitag wurden nach Angaben des Innenministeriums 32 Menschen festgenommen. 18 von ihnen befänden sich in Gefängnissen. Die Behörden sprachen von mehr als 400 Teilnehmern an Demonstrationen gegen Lukaschenko. Auf Videos war zu sehen, wie Sicherheitskräfte Frauen hart angingen und abführten.

In dem zwischen Russland und dem EU-Mitglied Polen gelegenen Land kommt es seit der Präsidentenwahl vor rund fünf Wochen täglich zu Protesten. Lukaschenko beansprucht den Wahlsieg mit mehr als 80 Prozent der Stimmen für sich. Die Opposition hält dagegen Swetlana Tichanowskaja für die wahre Gewinnerin. Die Wahl steht international wegen grober Fälschung in der Kritik.