Orban zeigt Verständnis für homophobe Aktion einer Rechtsradikalen

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat Verständnis für die homophobe Aktion einer rechtsextremen Parlamentsabgeordneten gezeigt. «Die Ungarn sind gegenüber diesem Phänomen (der Homosexualität) geduldig», sagte der rechtsnationale Politiker am Sonntag im staatlichen Rundfunk. Doch dabei gebe es eine «rote Linie», fügte er hinzu: «Lasst unsere Kinder in Ruhe!» Die Reporterin hatte ihn zuvor nach seiner Meinung über das neue Kinderbuch «Märchenland für alle» befragt.

Drucken
Teilen
Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, spricht während einer Pressekonferenz nach einem Treffen der Regierungschefs der Visegrad-Staaten. Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

Viktor Orban, Ministerpräsident von Ungarn, spricht während einer Pressekonferenz nach einem Treffen der Regierungschefs der Visegrad-Staaten. Foto: Czarek Sokolowski/AP/dpa

Keystone/AP/Czarek Sokolowski
(sda/dpa)

Dessen Herausgeber ist die Lesben-Vereinigung Labris. Das Buch erzählt bekannte Märchen in einer Weise neu, dass die Heldenfiguren einer Minderheit angehören. Darunter sind in tiefer Armut lebende Kinder, Kinder mit Behinderung, Opfer von häuslicher Gewalt, Homosexuelle und Transsexuelle. Die Autorinnen und Autoren wollen damit Akzeptanz für benachteiligte Menschen schaffen.

Die Abgeordnete Dora Duro, zugleich Vize-Präsidentin der rechtsextremen Partei Mi Hazank (Unsere Heimat), hatte am letzten Freitag auf einer Pressekonferenz in Budapest ein Exemplar des Buches mit einem Aktenvernichter geschreddert. Mi Hazank ist eine Abspaltung der früher rechtsextremen Partei Jobbik. Sie erhält breite Öffentlichkeit durch die regierungsnahen Medien in Ungarn. Orban propagiert wiederum eine ultra-konservative Familienpolitik, die Menschen mit einer von der vermeintlichen Norm abweichenden Sexualität ausgrenzt.

Im letzten Mai liess Orban vom Parlament ein Gesetz beschliessen, das die Rechte von Trans-Personen und intersexuellen Menschen einschränkt. So können sie nach einer Geschlechtsumwandlungen ihr bei der Geburt eingetragenes biologisches Geschlecht in ihren Dokumenten nicht mehr ändern.