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Parlamentspräsident Guaidó vorübergehend festgenommen

In Venezuela ist der Vorsitzende des von der Opposition dominierten Parlaments festgenommen worden. Nach einer knappen Stunde war er wieder auf freiem Fuss.
Parlamentspräsident Guiadó verlangt den Sturz von Präsident Maduro. Nach der Festnahme durch den venezolanischen Geheimdienst wurde er aber kurzerhand wieder freigelassen. (Bild: KEYSTONE/EPA EFE/MIGUEL GUTIERREZ)

Parlamentspräsident Guiadó verlangt den Sturz von Präsident Maduro. Nach der Festnahme durch den venezolanischen Geheimdienst wurde er aber kurzerhand wieder freigelassen. (Bild: KEYSTONE/EPA EFE/MIGUEL GUTIERREZ)

(sda/dpa/afp)

Parlamentspräsident Juan Guaidó wurde nach Angaben seiner Frau und von Parlamentsmitgliedern am Sonntag von Mitarbeitern des Geheimdienstes Sebin abgeführt, als er auf dem Weg zu einer Versammlung ausserhalb von Caracas war.

Zuvor hatte der Vorsitzende des ausgeschaltete Parlaments zu Massenprotesten gegen Präsident Nicolás Maduro aufgerufen. Guaidó war den Angaben zufolge unterwegs in die nördlich von Caracas gelegene Küstenstadt Caraballeda.

Die Ehefrau des Oppositionspolitikers, Fabiana Rosales, schilderte den Ablauf der Festnahme in einem Telefongespräch, das die Abgeordnete Larissa González anschliessend veröffentlichte. «Als wir gerade auf der Autobahn waren, (...) wurden wir von zwei Kastenwagen des Sebin abgefangen, mit bewaffneten und vermummten Männern, die unser Auto öffneten, uns zwangen auszusteigen», sagte Rosales demnach.

Die Geheimdienstmitarbeiter hätten verkündet, dass sie Guaidó «unverzüglich» festnehmen müssten. Allerdings hätten sie keine Gewalt ausgeübt. Wenig später gab Rosales über Twitter die Freilassung ihres Mannes bekannt.

«Ich bin jetzt bei ihm», erklärte sie. «Danke an alle, die sofort mit Unterstützung auf die Misshandlungen meines Mannes durch die Diktatur reagiert haben.» Gemeinsam würden sie nun zu der Versammlung in Caraballeda fahren.

Parlament soll Präsidenten stürzen

Guaidó hatte am Freitag zu Massenprotesten gegen die zweite Amtszeit des Linksnationalisten Maduro aufgerufen. Gemäss der Verfassung habe das Parlament das Recht, einen unrechtmässigen Machthaber wie Maduro zugunsten einer Übergangsregierung zu stürzen, sagte Guaidó. Zur Machtübernahme seien aber auch «das Volk, das Militär und die internationale Gemeinschaft» nötig.

Der Linksnationalist Maduro hatte am Donnerstag offiziell seine zweite Amtszeit angetreten. Amtlichen Ergebnissen zufolge war er im vergangenen Mai mit 68 Prozent der Stimmen bis 2025 wiedergewählt worden. Der grösste Teil der Opposition hatte die Wahl allerdings boykottiert und erkennt das Ergebnis ebenso wenig an wie die EU, die USA und zahlreiche lateinamerikanische Länder.

Dem 56-jährigen Nachfolger des 2013 verstorbenen Hugo Chávez wird vorgeworfen, seit Jahren die Demokratie in Venezuela auszuhebeln. Maduro hat durch eine verfassunggebende Versammlung das Parlament de facto entmachtet. Vorangegangen waren 2017 monatelange Proteste der Opposition, in deren Verlauf 125 Menschen getötet wurden.

Wirtschaft am Boden - trotz Erdöl

Venezuela - schon vor der so genannten bolivarischen Revolution von Maduros Vorgänger, des Linkspopulisten Hugo Chávez, von Korruption und Vetternwirtschaft geplagt, aber wirtschaftlich robust - ist das Land mit den weltweit grössten Erdölreserven.

Die venezolanische Wirtschaft, die fast vollständig vom Erdölexport abhängig ist, liegt aber spätestens seit Maduros Regierungsantritt im April 2013 am Boden; sie soll um die Hälfte geschrumpft sein und ist geprägt von Hyperinflation, Versorgungsengpässen und Hungersnöten mit einer Armutsquote, die ab 2014 über 50 Prozent stieg und im Jahr 2016 rund 80 Prozent erreicht hat.

Nun bietet die Uno Venezuela ihre Hilfe an. «Es gibt dringende Themen bei Gesundheit, Ernährung, beim Schutz und anderes», sagte der Uno-Koordinator in Venezuela, Peter Grohmann, am Samstag während eines vom staatlichen Fernsehen übertragenen Treffens mit Präsident Maduro.

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